AN DER PFORTE ZUM SYLT-TOURISMUS

VOR 150 JAHREN BEGANN DIE GESCHICHTE DES FEINEN „HOTEL FÄHRHAUS SYLT“ – EIN SOMMERFEST LÄUTETE JETZT DAS JUBILÄUM EIN.

von PETER LAMPRECHT

Der Sylter Shantychor sorgte für die passende Seefahrer-Romantik. Die Sonne strahlte, Partner-Winzer entkorkten ihre besten Produkte. Und die gut 90 Gäste ließen sich mit Blick auf die Nordsee am Genusswagen von Robbe & Berking, Caviar House Prunier und dem Weingut am Stein verwöhnen. So startete am 1. Juni das Sommerfest, mit dem das Hotel „Fährhaus Sylt“ mit Freunden, Partnern und Stammgästen seinen 150. Geburtstag feierte.

Vorwiegend heimische Köstlichkeiten sorgten für Glückwünsche besonders in Richtung der Fährhaus-Küche, wo Markus Gerlach und seine Crew nicht zuletzt beispielsweise Sylter Austern und ein zartes Karree vom Husumer Kalb angerichtet hatten.Jubiläums-Attraktionen: Der Shantychor Sylt und der „Genusswagen” von Robbe & Berking (UNTEN) (Foto © Simone Steinhardt)

Jubiläums-Attraktionen: Der Shantychor Sylt und der „Genusswagen” von Robbe & Berking (UNTEN) (Foto © Simone Steinhardt)

Hoteldirektor Robert Jopp begrüßte die Fest-Teilnehmer und freute sich: „Wenn wir uns ein perfektes Sommerfest hätten wünschen können, dann hätte es genau so sein sollen. Die Gäste sind entspannt und glücklich. Das Fährhaus strahlt diese lockere Eleganz aus, für die unser Haus steht. Das ist ein würdiger 150. Geburtstag.“

Jetzt, in der Monatsmitte am 23. Juni, überraschen Direktor Robert Jopp und Küchenchef Markus ­Gerlach ihre Gäste mit einem zusätzlichen Geburtstags-Angebot: Sie eröffnen in den Räumen des früheren Gourmetrestaurants das erste Pop-up-Restaurant auf Sylt: Es trägt den Namen „Fiiwfutt“ – Hochdeutsch: Fünffuss – und bietet über die Sommermonate, voraussichtlich bis Ende September, exquisite Fischgerichte und -menüs. „Wir wollen flexibler auf die Wünsche und Bedürfnisse unserer Gäste eingehen und testen, ob unser Konzept so angenommen wird“, begründet Markus Gerlach das Experiment. Etwa alle zwei Wochen sollen die Menüs mit ihrem starken Akzent auf Gemüse und frischen Kräutern wechseln. Alle Kreationen sind auch á la carte zu bestellen, und wer absolut kein Fischfreund ist, wird gern auch mit erstklassigem Fleisch verwöhnt. Alle Angebote im Fiiwfutt werden auf feinen Tellern der Königlichen Porzellan Manufaktur (KPM) serviert. Der Küchenchef ist gespannt, wie das Angebot ankommt. „Wenn das Echo gut ist, denken wir über eine Wiederholung 2019 nach“, verspricht er. Und wenn nicht? „Dann überraschen wir unsere Gäste nächstes Jahr erneut mit einer völlig neuen Idee.“

Der Weg, den das Fährhaus bis zu diesem Punkt zurückgelegt hat, war weit und zuweilen auch steinig. Es begann mit einer Idee des Postschiffers Thomas Selmer. Als vor 150 Jahren lediglich ein einziger Seeweg die seltenen Gäste nach Sylt führte – die Strecke von Hoyer nach Munkmarsch – ließ der Mann mit der einzigen Lizenz zur Personenbeförderung am Munkmarscher Anleger ein zweistöckiges Holzhaus errichten. Es wurde zum ersten Fährhaus. Und darin rollte der Taler, weil es die einzige Gaststätte weit und breit bieten konnte.

1880 machte Thomas Selmer sein Geld zu Stein. Er ließ zwei Geschosse in Backstein errichten und nannte das neue Haupthaus im viktorianischen Stil „Hotel Munkmarsch“: Dies Gebäude samt weißer Säulen ist bis heute erhalten geblieben. Es war einer der ersten Hotels auf der Insel. Und sein viktorianischer Stil begeistert die Gäste bis heute. Im alten Haupthaus finden sich die Restaurants „Käptn selmer Stube“, das Hausgäste-Restaurant „Mara Sand“ und der neue „Fiiwfutt“:
Von 1894 bis 1927 erlebten die nächsten Eigentümer Dorothea und Peter Friedrich Nann Höhen und Tiefen. Zunächst boomte das Haus – auch, weil die Pferdekutschen am Fährhaus erst zwei Stunden nach jeder Schiffsankunft in Richtung der Inselquartiere aufbrachen. Die Wartezeit vertrieben sich die Gäste in der Gaststube des Hotels. Damals übrigens kostete eine Übernachtung mit Morgenkaffee 2,75 Mark. Meistgefragtes Gericht auf der Speisekarte waren Krickenten.
Nachdem 1927 der Hindenburgdamm als Hauptreiseweg nach Sylt fertiggestellt war, nahm die Bedeutung des Munkmarscher Hafens massiv ab. Und damit auch die Geschäfte im Fährhaus. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Nachtlager für Soldaten genutzt.

Der Strumpffabrikant Thierfelder sorgte als nächster Eigner in den 1960er Jahren für eine neue, kurze Blüte. 1975 dann kaufte und renovierte der Munkmarscher Kapitän Sven Funke das Gebäude und betrieb unter dem Namen „Fährhaus“ dort bis 1980 ein Restaurant.Das Fährhaus in der Tristesse der 1980er Jahre (Foto © Fährhaus Sylt)

Das Fährhaus in der Tristesse der 1980er Jahre (Foto © Fährhaus Sylt)

Dann stand das Anwesen leer, bis Karl-Rudolf Mankel 1990 zupackte. Er ließ das Gebäude in sieben langen Jahren entkernen und sorgsam neu restaurieren. 1997 dann wurde zuerst das Restaurant im Fährhaus Sylt neu eröffnet, 1999 kamen 20 Hotelzimmer im Anbau hinzu. Seit 2006 ist die zweite Erweiterung mit nun nochmals 19 Zimmern und Suiten in Betrieb – und das Fährhaus Sylt schaffte es als erstes Haus auf der Insel, als Fünf-Sterne-Superior-Hotel ausgezeichnet zu werden. Es steht heute unter der Leitung von ­Direktor Robert Jopp. „Die einzigartige Lage am Yachthafen in Verbindung mit der Architektur des Fährhaus sind ein Geschenk“, sagt er. Und 700 Quadratmeter Fährhaus Spa mit Schwimmbad, Sauna, Whirlpool und exklusiven Wellness-Anwendungen komplettieren das erstklassige Angebot.
Infos unter: www.faehrhaus-sylt.de