HOTEL-GESCHICHTEN ES WAR EINMAL …

Im Hotel zur Nordsee haben Rosa Luxemburg und Jürgen Gosch so ihre Erfahrungen gemacht

Was haben Rosa Luxemburg und Jürgen Gosch gemeinsam? Beide – die Vordenkerin des Sozialismus und der Mann, der es vom Maurer zum Multimillionär geschafft hat – kennen das ehemalige, schmucke „Hotel zur Nordsee“ am Sandstrand in Wenningstedt. Das von Christian Draht gebaute Haus hat in den vergangenen 100 Jahren den größten Wandel erlebt. Wie Sina Beerwald in ihrem Buch „111 Orte aus Sylt, die Geschichte erzählen“ (Emons Verlag) schreibt, wurde es vor dem Ersten Weltkrieg zu Hamelau’s Strandhotel, ein „Haus 1. Ranges“ mit Kanalisation und Wasserleitung. So zumindest stand es damals in der Annonce, mit der um Gäste geworben wurde. Doch nach dem Ersten Weltkrieg war es halb verfallen und kam 1921 für 250 000 Reichsmark in den Besitz des Hamburger Schulvereins.
Zuvor bereits, im August 1901 weilte Rosa Luxemburg im Hotel zur Nordsee. Ihr gefiel es jedoch überhaupt nicht auf Sylt, weil alles „so flach ist, so kahl und entblößt von jedem Baum und Strauch, dann man sich gewissermaßen wie auf einem Teebrett fühlt – kein Grat, kein Blümchen, nichts …“. So stand es in dem Brief, den sie an ihre gute Freundin Luise Kautsky geschrieben hat. Aber noch etwas anderes machte ihr Kummer: Bei einem Strandspaziergang bemerkte sie, „wie aus jeder Welle, die den Standabhang beleckte und ins Meer zurückeilte, eine zahlloser Schwarm kleiner gelbliche Wesen hervorsprang und auf dem Strand herumhupfte. Es machte mir einen riesigen Spaß, sie zu fangen, was eine Heidenarbeit war, Endlich gelang es mir, und ich überzeugte mich, dass es winzige Krabbchen waren.“ Doch die Enttäuschung blieb nicht aus, bei näherer Betrachtung entpuppten sich die Krewetten als Strandflöhe. „Ich ließ sie sofort fallen, und seitdem meide ich sie und tue, wie wenn ich sie gekannt. Brrr! Sandflöhe!“ Anders als Rosa Luxemburg, die dort nichts anderen als Sandflöhe sah, hat der Fisch-König von List, Jürgen Gosch, auf Sylt seine erste Liebe erlebt und sein erstes Fischbrötchen gegessen. Sechs Jahre lang war der Schüler des Hamburger Bismarck-Gymnasiums jeden Sommer vier Wochen lang auf der Insel und zwar zur Sommerfrische im Landschulheim. Entstanden ist es im einstigen Hotel zur Nordsee. Bis heute ist das Traditionshaus in Trägerschaft des Hamburger Schulvereins eine Erholungsstätte für Kinder und Jugendliche aus der gesamten Bundesrepublik.
Sommerfrische anno dazumal.

Sommerfrische anno dazumal.


Geblieben ist auch die exponierte Lage mitten auf der Insel. Fünf Minuten vom eigenen Strandabschnitt mit Standkörben entfernt und ausgestattet mit zwei riesigen Sportplätzen bietet das Nordseeheim Wenningstedt allen Schulklassen, Jugendgruppen und neuerdings auch Familien oder Seminarteilnehmern Möglichkeiten, sich auszutoben, die Natur zu erforschen, lange Spaziergänge zu machen oder ruhige Ecken – einfach nur zum Seele-Baumeln.
Renoviert und schmuck steht das Haus heute da, wenige Minuten vom Strand entfernt.

Renoviert und schmuck steht das Haus heute da, wenige Minuten vom Strand entfernt.