Es gibt auf Mallorca kaum einen anderen Ort, an den man mit dem Auto aus Palma weiter weg entfliehen kann als Artà.

von DAGMAR HAAS-PILWAT

Imposanter Blick auf das mittelalterliche Städtchen Artà. // Foto © picture alliance / DPA

Rund 70 Kilometer liegen zwischen der Balearen-Hauptstadt und dem Dorf im Nordosten der Insel. Danach hört die Landmasse im Meer bald auf. Und genau das gefällt den rund 7500 Bewohnern am meisten. Einer von ihnen ist übrigens der  britische Folksänger Donovan. Er ist ein großer Fan des kleinen Ortes mit den imposanten Palästen von Großgrundbesitzern und trutzigen Festungen. Sein Ferienhaus steht gegenüber vom Hotel ­„Sant Salvador“ (www.santsalvador.com).

Hotelbesitzer Christoph Heufken, Schauspieler aus Köln, hat das traditionsreiche Palais mit Plüsch und Pomp herausgeputzt, serviert Biofleisch von freilaufenden Mallorca- Schweinen und brasilianische Jazz-Bands zur Abendunterhaltung.

Das mittelalterliche Städtchen gilt als eines der schönsten der Insel: Bis heute hat es seinen ursprünglichen Charakter bewahrt und bewusst dem Massentourismus getrotzt. Das Abwehr-Gen haben die  Bewohner im Blut heißt es: Ihre Vorfahren stemmten sich generationenlang gegen Piratenangriffe. Ihrem Widerstandsgeist ist auch zu verdanken, dass die Gemeinde die längste unbebaute Küstenlinie der Insel hat.

Noch vor rund 40 Jahren soll es in Artà Menschen gegeben haben, die ihr Lebtag nicht in Palma waren. Es wäre für sie einer Weltreise gleichgekommen, denn Artà ist das andere Ende des bekannten Tellerrandes. Sehr wohl haben dafür viele Deutsche das Städtchen mit dem alles überragenden Kapellenberg als zweite Heimat entdeckt. Im Schatten der trutzigen Kirchenburg richteten sie sich ein und erwarben teils große Güter. Nicht immer stießen sie auf Gegenliebe. Boris Becker etwa wurde vom Gemeinderat gar zur persona non grata erklärt. Er solle bitte keine Mallorca-Werbung im Namen des Ortes machen.
Die beste Aussicht auf das malerische Artà bietet die Wallfahrtskirche San Salvador, die erhaben oberhalb der Stadt liegt. Die hellen, niedrigen Häuser lassen erahnen, dass Artà vor 100 Jahren noch von der Landwirtschaft, dem Textilhandwerk und dem Korbflechten aus Palmenblättern lebte.
Einheimische zieht es dagegen direkt in die Stadt. In der mittelalterlichen Kleinstadt gibt es noch Restaurants und Cafés, die original mallorquinische Speisen servieren. Nach dem Essen genießen Locals die beschauliche Atmosphäre in der Altstadt.

Artà ist ein Ort der Vielfalt – hier treffen alte Gebäude auf moderne Wohndekorationsartikel und typische mallorquinische Bars auf neue Sushi-Lokale. Artà ist eben ein wenig anders als der Rest Mallorcas – das findet auch Bürgermeister Bartolomé Gili. Partyurlauber, Pauschaltouristen, übermäßige Bebauung – all das gibt es auf dem knapp 140 Quadratkilometer großen Gemeindegebiet nicht. Und das obwohl der Küstenabschnitt 25 Kilometer lang ist. Doch die Naturschutzbedingungen im Naturpark Llevant sind streng. Er erstreckt sich in großen Teilen über Artàs Gemeindegebiet und ist ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber.

Mehr als 100 Kilometer lang sind die Wanderwege. Schon jetzt sind sie gut besucht, doch die Gemeinde will das Wandernetz neu beleben. Helfen soll dabei ein neuer Reiseführer des Rathauses, der auf Katalanisch, Spanisch, Deutsch und Englisch herausgegeben wird. Das Stichwort lautet „ökologischer Tourismus“ – vor allem Urlauber mit Naturbewusstsein sollen in den Nordosten gelockt werden. „Wir reagieren damit auch auf die steigende Nachfrage. Wir merken, dass die Leute die Naturstrecken immer mehr zu schätzen wissen", zitiert die spanische Tageszeitung Ultima Hora Artàs Bürgermeister Bartomeu Gili. Der Prospekt kostet 50 Cent. Er informiert  über acht verschiedene Wanderrouten und ist im Mueseu Regional und im Kunsthandwerkszentrum der Marca Artà im alten Bahnhof erhältlich.

Artà kommt aus dem Arabischen, und wird vom Wort „Gertan“ abgeleitet, was Garten heißt. Diesen Namen trägt die Gegend aber auch zu Recht, denn durch mehrere aktive Flüsse und Bäche gehört Artà den grünsten Regionen der Insel.

Und es bietet die schönsten unbebauten Strände Mallorcas. Die Cala Torta ist sehr gut zu erreichen, ebenso die Cala Mitjana. Auch die Cala Aubarca und die Es Matloc sind absolut sehenswert. Man sollte allerdings seine Verpflegung mitbringen, da sich kaum bis nichts am Strand kaufen lässt. Aber dafür ist man an den herrlichsten und natürlichsten Stränden. Und das wissen auch die Einheimischen zu schätzen, zu denen immerhin mehr als 600 Deutsche zählen, die sich hier niedergelassen haben.

Kulturzentrum Artartá

Im ehemaligen Wohnhaus ihrer Famile in der Altstadt von Artà hat die Direktorin des hiesigen Theaters eine mallorquinische Märchenwelt inszeniert: Dutzende lebensgroße Hexen, Könige und Dämonen, gefertigt vom lokalen Bildhauer Pere Pujol, warten im ersten Stock des Gebäudes auf kleine und große Gäste. Im Parterre gibt es ein Café und einen Laden mit lokalem Kunsthandwerk.

Artà
Carrer Antoni Blanes 19,
Tel. 0034-971-83 59 39
www.artarta.es

Malerische Gasse in der Altstadt von Artà // Foto © fotolia | Ralf Geithe

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