Ein Millionenprogramm der Balearenregierung soll den „Umbau“ zum nachhaltigen Tourismus einleiten

von PETER LAMPRECHT

Endloser Naturstrand Es Trenc - er soll stärker geschützt werden // Foto © picture alliance / ZB

Kennen Sie Es Trenc? Das ist einer der letzten unbebauten Naturstrände Mallorcas – eine Strandlandschaft mit Dünen, die auch an Sylt erinnern könnte. Wenn es dort nicht meistens wärmer wäre als auf der sturmerprobten nördlichsten Insel in Deutschland. Jedes Jahr im Sommer allerdings kam es rund um Es Trenc zu unangenehmen Auto-Ansammlungen, weil man diesen Strand und diese Dünen eben nur per Pkw erreichen konnte. „Wildes Parken“ war da der Normalfall, verbunden mit teils ausgedehnten Fußmärschen ohne befestigte Wege. Das war kein gutes Rezept für das empfindliche Dünensystem. Schon gar kein Ansatz für gelungenen Natur- und Küstenschutz.

Jetzt kommt die Wende. Die Inselregierung der Balearen hat einen Gesetzentwurf eingebracht, um Es Trenc zum Naturschutzgebiet erklären zu lassen. Zugleich ist vorgesehen, drei Parkplätze für insgesamt 1500 Autos zu bauen – das ist die Auto-Last, die dieses Stück Natur nach Berechnungen der Behörden unbeschadet fassen kann.

Schon 2016 hatte Mallorca das Gebiet entlastet durch den Einsatz von Shuttlebussen, die von und nach Campos pendelten. 25.000 Badegäste nahmen dieses Angebot im Sommer auf Anhieb wahr, immerhin ein Anfang. Nun rollen Busse 2017 nicht nur nach Es Trenc, neue Shuttles sollen den Autoverehr zu weiteren gefährdeten Stränden kanalisieren helfen: Es geht um die Strände von Formentor, Platja Muro, So Real, Cala Varques, Mondragó, Cala s‘ Almuna und den Strandgebieten in der Serra Muntana.

Das neue Busprogramm ist ein sichtbares Zeichen für eine intensivierte ökologische Inselpolitik. Die Balearen positionieren sich als Partnerregion des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Jahres für nachhaltigen Tourismus 2017. Auf der Welt-Tourismusmesse ITB in Berlin sagte Anfang März die Balearenpräsidentin Francina Armengol dazu wörtlich: „Wir haben Ziele und klare Linien in einer Strategie für die Balearischen Inseln für den Zeitraum 2017 bis 2020 festgelegt.“ Worum es geht, formulierte sie so: „Wenn wir es richtig angehen, kann der Tourismus sich zu einem identitätsfördernden Element entwickeln und uns helfen, unsere Kultur bekannt zu machen und sie gleichzeitig zu schützen, unsere Umwelt zu bewahren und uns zu einem Vorbild für andere zu machen.“

Eine Schlussfolgerung zogen die Tourismusverantwortlichen sofort: Ab 2017 werden touristische Events und besondere Werbeaktionen ausschließlich für die Wintersaison gefördert, ebenso gibt es eine besondere Förderpolitik zur Schaffung neuer Jobs, die im Winter erforderlich werden. Die Kampagne läuft unter dem Motto „Better in winter“.

Seit dem 25. Januar gilt bereits eine erste Projektliste, mit deren Hilfe nachhaltiger Tourismus auf den Balearen gefördert werden soll. Zur Verfügung dafür stehen zunächst 30 Millionen Euro, die für insgesamt 46 Projekte eingesetzt werden können. 80 Prozent fließen in Umweltschutzaktivitäten wie die Parkplätze von Es Trenc und in die Verbesserung der Wasserversorgung auf den Inseln, die allein 14 Millionen Euro kostet. 20 Prozent werden eingesetzt für Projekte im nachhaltigen Tourismus, die Sicherung des kulturellen Erbes sowie für bessere Ausbildung und Schaffung zusätzlicher Jobs im Tourismus.
Auch dabei geht es nicht zuletzt um Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr. Allein dafür werden auf Mallorca mehr als 1,2 Millionen Euro aufgewandt. Schon jetzt, ab Mai, können Mallorca-Besucher das gleich nach der Landung in Palma ausprobieren: Neue Buslinien sind eingerichtet, die Gäste auf vier Linien mit den wichtigen Urlaubsregionen verbinden.

Die Busse rollen in Richtung Westen nach Paguera, Santa Ponca, Magaluf und Palmanova. Nach Norden steuert die Linie mit den Zielen Inca, Port d’Alcudia, Platia d’Alcudia, Platja de Muro und Can Picafort. Im Osten werden Manacor, Cala Bona, Cala Millor, Sa Coma und S’Illot angesteuert. Und die vierte Linie fährt bis Llucamayor, Campos, Santanyi, Portopetro und Cala D’Or. Die Verantwortlichen sind gespannt, wie dieses neue Angebot bei den Gästen Mallorcas „ankommen“ wird.

Parkverbot? Autos stehen dicht gedrängt hinter den Dünen von Es Trenc // Foto © picture alliance / dpa

Inseln punkten mit Ihren Stärken

Kultur, Natur und die Schätze der Vergangenheit sind drei Hauptsäulen der neuen Nachhaltigkeits-Strategie im Tourismus der Balearen

KULTUR
Dies Jubiläum soll ausgiebig gewürdigt werden: Seit 25 Jahren arbeitet in Palma de Mallorca die „Fundatió Pilar i Joan Miró“, die Stiftung, die vom berühmten Maler Joan Miró und seiner Frau begründet wurde. Am 23. Juni wird die große Ausstellung „Miró noch nie gesehen“ eröffnet. Sie zeigt Werke des Künstlers, die noch nie in den Räumen der Stiftung gezeigt worden sind. Dort sind insgesamt 7000 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Objekte aus dem Schaffen des Künstlers zusammengetragen worden, dazu 18.000 Ordner mit Dokumenten von und über die Arbeit des Stifters, der in diesen Räumen fast 30 Jahre gelebt und gearbeitet hat. Die Ausstellung passt einerseits in die neue Nachhaltigkeitsstrategie der Mallorquiner, die dem Erhalt bestehender Werte dient. Die Werkschau ist gleichzeitig wie gemacht für das Programm „Better in Winter“: Erst im Januar 2018 nämlich wird die Ausstellung geschlossen.

NATUR
Mallorca lebt auch von seinen Naturschönheiten – und das neue Investitionsprogramm hilft, sie zu schützen. Dazu gehört die Diversifizierung des Anbaus in nachhaltigen landwirtschaftlichen Betrieben, gehören Maßnahmen zum Schutz der Meeresvögel, die Wiederaufforstung der Ulmenwälder – und sogar der Erhalt traditioneller Mandelsorten auf Mallorca ist vorgesehen. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist natürlich auch ein neues Programm zur Reinigung von Stränden, Buchten und öffentlichen Anlagen. Aber als ebenso bedeutsam für den künftigen Tourismus  wird der Ausbau eines Netzes von Informationszentren gehalten, das nun in und über das Weltkulturerbe Serra Tramuntana informieren soll.

GESCHICHTE
Eine Zeitreise über 3000 Jahre lässt sich schon heute realisieren, wenn man die archäologischen Funde und Anlagen auf den Balearen besucht. Jetzt unternehmen die Autoritäten der Insel-Region zusätzliche Anstrengungen, um aus der Idee eine echte touristisch nutzbare „archäologische Route“ zu entwickeln – auf Mallorca ebenso wie auf Ibiza, Menorca und Formentera. Als spezielles Kapitel der historischen Erinnerung wird an einer Route gearbeitet, die auf Mallorca Stationen des Lebens von Ramon Llull zu einem „Europäischen Kulturweg“ zusammenfassen soll. Ramon Llull (1232 – 1316) war geistiger Vorreiter europäischer Bewegungen und zudem das, was man einen Universalgelehrten nennt: Theologe, Philosoph, Wissenschaftler und Schriftsteller. Ein Mann, der den gesamten Mittelmeerraum bereiste und beschrieb – und zwar auf Katalanisch, Latein und Arabisch.

Die stille Bucht oben gehört zum Weltkulturerbe Serra Tramuntana // Foto © picture alliance / Arco Images

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