So machen Deutschlands große Kreuzfahrtveranstalter über den Sommer fest im Hafen von Palma de Mallorca. Im Juni startet sogar eine Schiffstaufe.

von PETER LAMPRECHT & TORSTEN STIEGEMANN

Die neue AIDAperla vor Kathedrale und Küstenlinie von Palma de Mallorca. // Foto @ AIDA

Freitag, 30. Juni, steht im Hafen von Palma de Mallorca ein Mega-Event auf dem Plan: Mit einer fulminanten Licht- und Musikshow wird im Schatten der mächtigen mallorquinische Kathedrale die AIDAperla getauft, die jüngste Schiffskreation der Rostocker Tochter aus der weltweiten Familie Costa und Carnival. Taufpatin ist Model Lena Gercke.

Die „perla“ kreuzt danach auch über den Winter 2017 auf einer immer gleichen Rundreise durchs westliche Mittelmeer. Palma ist dabei Start und Ziel, Passagierwechsel sind in Palma und – jeweils am Vortag – auch  in Barcelona möglich. Und damit eröffnen sich vielfältige neue Kombinationsmöglichkeiten zwischen Festlandurlaub, Inselurlaub auf den Balearen und Ferien auf dem Schiff, wie es sie so komplett und umfassend bisher noch kein deutscher Kreuzfahrt-Veranstalter anbieten konnte.

Die Rundreise auf gleichem Kurs wird bis zur „Taufreise" (23. Juni ab Barcelona, 24. Juni ab Palma) bereits von der älteren „Schwester“ AIDAbella angeboten. Deutschlands Marktführer ist 2016 ab und bis Palma außerdem unterwegs mit der AIDAstella (10- und 11 Tagesreisen) sowie mit der AIDAaura, die gleich eine Reihe unterschiedlicher Mittelmeer-Ziele auf jeweils siebentägigen Touren im neuen „Selection“-Programm ansteuert. Bis zu 4000 Gäste finden sich auf der „perla“, bis zu 2500 sind es auf „bella“ und „stella“ – und rund 1600 Meeresanbeter reisen jeweils mit der „aura“.

Mit dem eigenen „Premium Alles- Inklusive“-Konzept hält Deutschlands TUI-Cruises dagegen. Die als „Wohlfühlschiffe“ apostrophierten blau-weißen Meeresriesen der Hamburger Reederei laufen Palma in diesem Jahr insgesamt 35 Mal an – und wechseln immer dort auch ihre Passagiere. Es sind bis zu 2500 pro Reise. Zu den Zielen zählen die Hot Spots Rom und Barcelona, aber auch Korsika, Sardinien oder Ibiza. Auch hier sind die Schiffe selbst ausgewachsene Attraktionen. Die Nebauten ab "Mein Schiff 3" wurden bereits national und international ausgezeichnet - u.a. für ihre Wellness- und Spa-Konzeption und auch als "Schiff des Jahres".

Im Vergleich zu den Dickschiffen der Großveranstalter nehmen sich die beiden deutschen Luxusliner „MS Europa“ und „Europa 2“ mit ihren jeweils maximal 600 Gästen geradezu bescheiden aus – allerdings betrifft das ausschließlich die Quantität, nicht die Qualität der Angebote. Seit vielen Jahren führen die beiden Solitäre von Hapag-Lloyd alle Rankings als „weltbeste Kreuzfahrtschiffe“ der Fünf-Sterne-Plus-Kategorie an. Exklusiver Suitenluxus,  Sterneküche und ausgesuchte Events unterwegs machen hier den Unterschied – und der drückt sich dann auch in exklusiv bemessenen Preisen aus. Jede der beiden „Europas“ wird Palma de Mallorca in diesem Jahr nur ein einziges Mal anlaufen: die EUROPA 2 im Juli im Rahmen einer Reise von Monte-Carlo nach Lissabon, die EUROPA mit einem Overnight im November auf der Route Nizza – Santa Cruz.

Die Deutschen sind natürlich nicht allein, auch britische, italienische, spanische, griechische und  amerikanische Schiffsriesen laufen die Kreuzfahrtterminals von Palma an. Zwar schwanken die Zahlen jedes Jahr – aber der Trend zeigt eindeutig in Richtung Wachstum, wie überall weltweit. Umwelt-Aktivisten nehmen daher die Kreuzfahrt-Branche längst schon aufs Korn, sorgen sich um Wasser- und Luftqualität und beklagen das Gedränge eiliger Touristen in engen Altstadt-Gassen.

Die positiven Seiten der Medaille Kreuzfahrt-Tourismus geraten dabei leicht aus dem Blick: Kürzlich erst veröffentlichte der ADAC einen Untersuchungsbericht zum Treibstoffverbrauch. Danach verbrauchen Kreuzfahrtschiffe durchschnittlich drei Liter Treibstoff pro Passagier auf hundert Kilometern. Das, immerhin, schafft noch kein für Langstrecken geeigneter privater Pkw.

Viele Anbieter, allen voran die aus Deutschland, investieren zudem riesige Millionensummen in Umweltprojekte. Das reicht von Siliconanstrichen auf dem Schiffsrumpf (TUICruises), über Investitionen in völlig neue Rumpf-Technologien (AIDAprima und AIDAperla), in Abgasreinigung, Wasseraufbereitung, Materialrecycling.

Die Neubauten von TUI Cruises (bisher: Mein Schiff 3,4,5 und 6) werden als Energie-Effizienz-Schiffe geführt, denn sie verbrauchen rund 30 Prozent weniger Energie als Wettbewerber vergleichbarer Größe. Auch der nächste Schritt ist in der Branche schon programmiert: Derzeit entsteht auf der Papenburger Meyer-Werft im AIDA-Auftrag das erste deutsche Kreuzfahrtschiff, das 2018 für die Nutzung von klimafreundlichem Flüssiggas (LNG) ausgerüstet wird.

Hinzu kommt der wirtschaftliche Ertrag, den Kreuzfahrtschiffe neben der erwünschten Begegnung der Kulturen mit sich bringen, wo immer sie festmachen. Jana Blümel von Hapag Lloyd macht eine beispielhafte Rechnung auf: „In den Destinationen, die wir anfahren, also auch in Palma, arbeiten wir mit lokalen Agenturen und Dienstleistern zusammen, die uns bei der Organisation und Durchführung des Landprogramms unterstützen und somit Umsatz für die Region generieren. Neben verschiedenen Gruppen-Landausflügen wie klassischen Stadttouren oder Museumsbesuchen bieten wir auch aktive Ausflüge wie Kajak-Touren oder kulinarische Ausflüge an. Individuelle Arrangements wie beispielsweise Helikopterflüge gehören ebenfalls zu unserem Programm. Darüber hinaus beraten uns die Agenturen mit Insider-Tipps, Shopping-Vorschlägen und kulinarischen Anlaufstellen, die wir an die Gäste weitergeben, wenn sie ein individuelles Landprogramm wünschen. Sowohl individuelle als auch organisierte Ausflüge werden bei uns sehr gut angenommen. Bei unseren Gästen handelt es sich größtenteils um ein sehr zahlungskräftiges Publikum, das in den Destinationen gerne Geld für Genuss und Erlebnisse ausgibt.“

Sinngemäß gilt das auch für die Groß-Anbieter aus Rostock oder Hamburg: Hochwertige, individuell gestaltbare Touren (mit und ohne eigener Limousine mit Fahrer) haben auch sie längst in den Prospekten. Und wenn die Biker oder Wanderer zu Dutzenden vom Schiff ausschwärmen, bleibt fast immer Zeit für eine Shopping-Tour und eine Gastronomie-Pause unterwegs. Ebenso natürlich, wenn jeweils einige hundert Passagiere auf eigene Faust die Insel oder deren Hauptstadt erkunden.

Alle, die vom Tourismus leben, profitieren mit, wenn die Kreuzfahrtriesen einlaufen. Das gilt natürlich ganz besonders für einen der schönsten Anlaufpunkte im Mittelmeer: Palma de Mallorca.


KURZPORTRÄT

Die AIDAperla
Das jüngste Schiff der AIDA-Flotte, 300 Meter lang, 37,5 Meter breit und 54 Meter hoch, ist  bei Mitsubishi in Yokohama konstruiert worden und vom Stapel gelaufen. Das Konzept entspricht dem des Schwesterschiffes AIDAprima, das seit dem Sommer 2016 zwischen Hamburg und Le Havre pendelt: Urlaub total soll an Bord möglich werden, unabhängig von Standort und Wetter.
Zu den vielen Highlights an Bord gehören der Beach Club unter einem wetterunabhängigen und UV-durchlässigen Foliendom und das Four Elements mit Wasserrutschen und Klettergarten. Insgesamt 14 verschiedene Kabinenvarianten stehen dem Gast an Bord von AIDAperla zur Auswahl, darunter die großzügigen Verandakabinen und die Panoramakabinen auf dem exklusiven Patiodeck.
Der prämierte Body & Soul Organic Spa begeistert mit verschiedenen Saunen, mehreren Indoor- und Outdoor-Pools, einem Tepidarium und einem Kaminzimmer, die zur vollkommenen Entspannung einladen. Das Lanaideck mit Infinity Pools, gläsernen Fahrstühlen, zwei Skywalks, modernster LED-Technik und Flugwerken für außergewöhnliche Artistenshows und einer interaktiven schwebenden Kugel für das Entertainmentprogramm ergänzen das vielseitige Angebot. Neben dem Kids- und Teens Club gibt es an Bord auch einen Mini Club für die Betreuung von Kleinkindern ab 6 Monaten.
Für das Gesamtkonzept wurde die neue  AIDA Generation mit den Kreuzfahrt Guide Awards 2016 für Familienfreundlichkeit und Sport & Wellness prämiert. Kreuzfahrer fragen regelmäßig auch nach der Gastronomie. Hier lautet die  Antwort: 12 Restaurants, 3 Snack Bars und 14 Bars laden ein.

MS Europa meets Sansibar
Inzwischen hat dieses Sommer-Event Kultcharakter: Am 29. Juli läuft Deutschlands luxuriösestes Kreuzfahrtschiff wieder die Insel Sylt an- Dann heißt es erneut: „EUROPA meets Sansibar“. Dahinter verbirgt sich eine alljährlich wiederkehrende Kurzreise der „MS Europa“. Der Kurs führt in vier Tagen von Hamburg nach Kiel. Wenn das Luxusschiff auf Reede vor List liegt, findet an Bord das beliebte Sommer-Ereignis statt. Welche Prominenten 2017 dabei sein werden, war bei Redaktionsschluss noch nicht entschieden. Gastgeber Hapag-Lloyd Cruises allerdings verspricht: „Es wird wieder eine legendäre Promi-Party mit vielen namhaften Gesichtern werden.“



Beim letzten Mal, 2016, gehörte die Verleihung des MS Europa Poetry Awards dazu. Dabei traten Mitglieder der ersten Schauspielergarde wie Muriel Baumeister, Anna Thalbach, Jana Pallaske, Diana Körner und Hans Sigl ebenso an wie Moderator Dennis Wilms und Sportreporter Waldemar Hartmann. Jana Pallaske und Dennis Wilms verließen die Bühne als Sieger des Abends.

„Mein Schiff 5“, 2016 in Dienst gestellt, macht in diesem Sommer gemeinsam mit einigen Schwesterschiffen auf Mallorca fest // Foto © TUI Cruises
Außen-Pool mit Riesen-LED-Wand auf der "Mein Schiff 5" // Foto © TUI Cruises

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