Unternehmer Walter Mennekes // Foto © MYILANDS

Der Unternehmer Walter Mennekes aus Kirchhundem spricht im Interview über das besondere Verhältnis seiner Familie zur nordfriesischen Inselschönheit – und erklärt, weshalb er auf das eAuto setzt

von PETER LAMPRECHT

MyiLands: Zuerst die Zukunftsfrage aller Fragen: Die Politik diskutiert über die Zukunft der Dieselmotoren, auch der Verbrennungsmotoren generell. Viele zweifeln aber zugleich an der Durchsetzung des Elektroautos. Sie gehören zum Vorstand der Nationalen Plattform Elektromobilität, sprechen viel mit den Entscheidern. Hat also das Auto mit Elektroantrieb eigentlich reale Chancen, oder laufen wir einem Trugbild nach?

Walter Mennekes: Viele glauben, dass sich diese Sache statisch weiterentwickelt, also so langsam wie bisher. Ich bin aber sicher: In drei Jahren werden Sie über diese Frage nur noch lachen. Sie stellt sich dann nicht mehr.

Was stimmt Sie so zuversichtlich?

Ich weiß, wie schnell Entwicklungen in Fahrt kommen, wenn alle in der gleichen Richtung denken. Es geht jetzt nicht mehr zuerst um das Prestige, das ein Auto verleiht. Es geht um Sinn und Nutzen. Meine Frau beispielsweise hat nach den Debatten um den Diesel gesagt, dass sie künftig lieber elektrisch fährt. Unser Q6 e-tron ist schon bestellt und kommt gegen Jahresende – hoffentlich!

Klar, hier im eigenen Betrieb finden Sie auch die nötigen Ladesäulen. Aber wie weit kommen Sie denn mit dem großen Auto über Deutschlands Straßen?

Von Kirchhundem bis Sylt sind es 580 Kilometer, genau wie von Kirchhundem bis München. Unser GPS zeigt an, wo schon heute unterwegs Ladestationen und Schnell-Ladesäulen warten. Konkret müssten wir in Richtung Sylt einmal einen Ladestopp einlegen – in Bremen. Eine dreiviertel Stunde am Schnell-Lader – das ist gerade mal eine Mittagspause mit kleinem Imbiss. Und dann geht es weiter. Auf Sylt können wir spätestens an den Mennekes-Stationen u. a. vor dem „Sansibar“, in Kampen oder auch in List nachladen. Und Sie können sicher sein: In drei Jahren gibt es in ganz Deutschland ein viel dichteres Netz von Ladestellen, außerdem geht die Entwicklung noch stärkerer Batterien weiter.

Wie steht es denn heute um den deutschen Markt für E-Autos?

Die IAA in Frankfurt zeigt uns erstmals schon mehr E-Autos als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Es geht jetzt rapide voran.

Und Ihr Haus boomt mit dabei?

(lachend) Um es diplomatisch auszudrücken: Wir sind zufrieden mit dem Geschäftsverlauf. Eine Ladestation beispielsweise kostet zwischen 4.000 und 9.000 Euro, ein Schnell-Lader wird mit 30.000 Euro+ berechnet. Oder ein anderes Beispiel: Wir produzieren unseren Typ 2-Ladestecker, haben dabei aus einem eigentlich langweiligen Produkt längst eine Marke gemacht – das Maß aller Dinge bei der E-Mobilität. Und das, obwohl auch andere Hersteller hier und in Europa die gleiche Technik anbieten, weil wir kein Patent angemeldet haben. Inzwischen aber sind bei uns mehr als 140 Mitarbeiter ausschließlich mit diesem Thema ausgelastet. Und wir sind bei fast allen Herstellern gelistet.

So spricht ein Unternehmer, der voll im Saft steht. Aber Sie waren kürzlich erst auf Urlaub in Kanada, planen bereits für die Jahreswende wieder eine Reise nach Sylt. Hat die Phase des Überganges vom Unternehmer zum Privatier für Sie begonnen, können Sie zunehmend auch loslassen, weil die Nachfolge im Unternehmen geregelt ist?

Sie werden es kaum glauben, ja, es fällt mir immer leichter. Unser Sohn Christopher leitet als Geschäftsführender Gesellschafter das gesamte Tagesgeschäft. Er macht mir den Übergang leicht, nachdem er zuvor unter anderem fünf Jahre mit der Leitung unseres England-Geschäftes erfolgreich war. Wenn ich jetzt zurückkomme, entdecke ich zwar immer noch Veränderungen, frage auch immer noch nach. Aber ich weiß, sie kommen hier auch ohne mich klar. Ich lerne zunehmend, Abstand zu gewinnen.

Ihr Sohn nennt Sie inzwischen den „Außenminister“ des Unternehmens …

Ja, das war ich aber eigentlich immer schon, über 40 Jahre. Es wäre doch niemand nach Kirchhundem gereist, um mich und unsere genormten Industriesteckvorrichtungen zu sehen. Da hilft auch das schönste Schaufenster nichts. Ich reise nicht um die Welt, weil ich das Fliegen so liebe. Sondern um den wichtigen Ansprechpartnern unsere Marke nahezubringen. Ohne Außenminister geht das nicht.

Sie haben vorhin Sylt erwähnt. Die Insel spielt in Ihrem Leben eine wichtige Rolle, sagen alle, die Sie kennen?

Wenn ich so zurückdenke, fällt auf: Alle drei Söhne sind im April geboren. Im August zuvor hatten wir Ferien auf der Insel…

Wie hat die Sylt-Begeisterung denn begonnen?

Unser Vater war der Erste, der Anfang der Siebziger Jahre Sylt für uns entdeckt hat, zuerst als Alternative für Norderney. Dann hat er in Westerland ein Appartement in einem der Bense-Bauten gekauft, für uns alle das erste Domizil auf der Insel. Auch für mich, als ich während des Studiums in Flensburg immer wieder nach Sylt ging, um Spaß zu haben und mir gleichzeitig etwas hinzu zu verdienen.

Womit waren Sie da beschäftigt?

Ich war viel zusammen mit meinem Freund Volker Ochel, der später den Kiosk in Kampen betrieb. Ich war regelmäßig bei den Rettungsschwimmern von Sylt, habe in der Bierbar des „Pony“ gezapft, mit dem jungen Gunter Sachs Fußball gespielt. Ich erinnere mich an die Begegnungen mit Karl Dall, der zum Freund wurde bis heute, mit Mediengrößen wie Peter Boenisch, Hajo Friedrichs und Jens Feddersen. Verrückte Zeiten waren das.

Die Liebe zur Insel hat seither alles überdauert?

Das kann man sagen. Hier sind Freundschaften gewachsen, beispielsweise mit der Familie Rummenigge. Wenn wir mit allen Kindern gemeinsam essen wollten, wurde ein Tisch für 19 Leute gebraucht. Wir haben Strand-Olympiaden für die Kinder ins Leben gerufen. 50 Jahre Sylt – das ist für uns immer Ruhe und Spaß zugleich, gutes Essen und gute Freunde, die Liebe zu Wind und Wellen und 365 Tage Ferienwetter. Es vergeht kein Jahr, ohne dass meine Frau und ich mindestens zweimal auf Sylt ausspannen. Früher immer mit den Kindern, und bis heute kommen sie immer wieder dazu, inzwischen mit unseren Enkeln. Für uns alle bleibt Sylt das Ferienziel, das immer wieder den Zusammenhalt erneuert.

Wo verbringen Sie heute ihre Sylt-Ferien, im eigenen Haus oder anderswo?

Wir sind keine Selbstversorger, und die Immobilien­preise auf der Insel finde ich auch nicht verlockend. Wir reisen gern in den Waltershof, zur schönsten Stelle auf der Insel. Da lassen wir uns verwöhnen. Und wenn ich mit einem Glas Wein in der Hand von der Terrasse aus gleichzeitig auf die Ost- und die Westküste blicken kann, bin ich der glücklichste aller Menschen.

Treffen Sie Freunde auf der Insel?

Natürlich, Karl Dall zum Beispiel, immer auch Bärbel Sager, gelegentlich Karl-Heinz und Michael Rummenigge und viele, viele andere.

Und welche Restaurants besuchen Sie?

Das Sansibar, die Vogelkoje und – besonders gern mit der ganzen Familie – den wunderbaren Söl’ring Hof von Johannes King.

Was schließlich ist Ihre liebste Jahreszeit auf Sylt?

Alle 365 Tage im Jahr. Und das gibt es nur auf Sylt.

Inzwischen lockt Sie aber auch Kanada?

Karl Dall hat uns auf die Idee gebracht. Er hatte uns auf sein Domizil bei Vancouver an der Westküste eingeladen. Und das Erlebnis war ansteckend, jetzt gehört uns das Refugium gleich nebenan.

Das ist aber kein Ziel für ein kurzes Ferienwochenende?

Nein, da sollte man wenigstens vier Wochen Zeit mitbringen. Dafür gibt es Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe in einer grünen Umgebung am Pazifik, im Rücken hohe Berge und in der Nachbarschaft eine begeisternde, pulsierende Metropole am Meer.

Weil dies ein Magazin mit den Fixpunkten Sylt und Mallorca ist – kennen Sie eigentlich auch die Schönste der Balearen?

Ja, natürlich waren wir auch schon auf Mallorca. Einen Geburtstag haben wir beispielsweise auf einer tollen Finca gefeiert. Die Insel ist wunderbar mit ihrem meistens milden Klima, ihrer tollen Natur und dem prallen Leben in Palma und den anderen Ferienorten.

Und wenn Sie Mallorca, Sylt und Kanadas Weite vergleichen sollten?

Mallorca ist bunt und sehr lebendig, Kanada ist Ruhe pur – und Sylt ist beides, ein Ort der Ruhe und des Spaßes, da hat jeder die Wahl.

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