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Myilands: Geboren auf Sylt, ausgebildet in Bad Godesberg, jetzt daheim in Hamburg – und Sylt ist einer Ihrer Lieblingsschauplätze als Autorin. Fallen Ihnen eher einer, drei oder fünf Gründe ein, weshalb man Sylt lieben muss?
Dora Heldt: Ich bin auf Sylt geboren, meine Familie lebt da, das ist mein Hauptgrund. Aber es gibt weitere gute Gründe, Sylt zu lieben: die Strände, die einmaligen Farben – jetzt gerade gelber Ginster und blauer Himmel. Auch, dass man alles zugleich haben kann: Trubel und dichtes Gedränge wie zu Himmelfahrt in Westerland, oder die pure Einsamkeit ein paar Kilometer weiter am Ellenbogen. Sylt lässt uns die Wahl.

Wie oft besuchen Sie selbst heute die Insel?
Mindestens jeden Monat einmal, wegen der Familie. Auf jeden Fall immer, wenn es möglich ist.

Und wo wohnen Sie dann, im Hotel oder bei der Familie?
Inzwischen endlich in der eigenen Kemenate, aber nahe bei Mutti.

Was würden Sie zuerst auf der Insel ändern, wenn Sie Bürgermeisterin oder Kurdirektorin wären?
Die Verkehrslage, das Gedränge der vielen Autos. Das habe ich gerade wieder zu Himmelfahrt als richtig störend empfunden. Auf Norderney haben sie das intelligenter gelöst: Mit Auto ist die Überfahrt dort viel teurer als ohne, und es gibt deutlich besser organisierten Busverkehr.

Gibt es für Sie eigentlich nur Sylt – oder waren Sie beispielsweise auch schon gern auf Mallorca?
Es hat gedauert, auch weil ich eigentlich nach 30 Jahren Außendienst als Verlagsvertreterin zum Reise­muffel geworden bin. Aber vor fünf Jahren hat mich meine Freundin Rita, ein Mallorca-Fan, überredet. Seitdem bin ich mindestens einmal jedes Jahr auch dort. Dann spielen wir gemeinsam Tennis und fahren viel herum. Ich liebe die malerischen Buchten etwa bei Cala d’Or und die weiten Strände auf der Insel, finde Palma fantastisch und entdeckte immer wieder noch Unerwartetes.

Als Magazin für Leserinnen und Leser in NRW muss man natürlich auch dies fragen: In Erinnerung an die TV-Beststeller „Urlaub mit Papa“ und „Tante Inge haut ab“ verfestigt sich der Eindruck, dass Sie Ihre einstigen Mitmenschen im Westen eher als Spießer mit Hosenträgern und als unterdrückte Hausmütterchen in Erinnerung haben?
Um Gottes Willen nein! Da muss ich darauf hinweisen, dass ich die Drehbücher zu den Filmen nicht selbst geschrieben habe. Im Buch sind die Typen anders angelegt. Ich habe mit meinen Eltern fünf Jahre in NRW gelebt, finde die Menschen dort besonders angenehm, weil sie ähnlich direkt und unkompliziert sind wie die Norddeutschen. Mein erstes Buch „Urlaub mit Papa“ hat sich zuerst in NRW gut verkauft, weil die Leute dort den norddeutschen Humor gut verstehen. Deshalb habe ich besonders viele Lesungen dort. Und einer meiner besten Freunde kommt aus Iserlohn.

Die Zeiten sind gerade sehr bewegt. Wie sehr bewegt es Sie als Autorin gedruckter Texte eigentlich, wenn jemand US-Präsident wird, der nicht liest und möglichst auch nur auf Twitter schreiben mag – und das, während der Nachwuchs ebenfalls schon das Lesen von Papiervorlagen verweigert und seine Kommunikation auf elektronisch-virtuellen Verkehr umschaltet?
Ich finde es ganz furchtbar, dass dieser Mensch Präsident geworden ist. Und ich hoffe, dass er es nicht so lange bleibt, dass er in dieser Frage Maßstäbe setzen kann. Allerdings habe ich – vielleicht ist es ja Wunschdenken – sogar das Gefühl, dass die Leute gerade jetzt wieder mehr Bücher lesen. In wilden Zeiten spürt man wohl große Sehnsucht, die Dinge etwas zu verlangsamen. Und es beruhigt einfach, ein Buch zu lesen.

Foto © picture alliance

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