Moritz Luft // Foto © Sylt Marketing

„Bettenangebot an der Obergrenze – aber Sylt hat genug Raum für Ruhe“. MORITZ LUFT, GESCHÄFTSFÜHRER VON SYLT-MARKETING, ÜBER DIE AKTUELLE LAGE DER INSEL ZUR WINTERSAISON

Myilands: Mallorca macht gerade Schlagzeilen als Urlaubsinsel, die sich – zumindest scheinbar – von Urlaubern belästigt fühlt. Wie fühlt man sich derzeit auf Sylt?

Moritz Luft: Die Intensität des Tourismus auf der Baleareninsel, mit all seinen Ausprägungen wie beispielsweise der hohen Anzahl an Kreuzfahrtanläufen und den damit verbundenen Tagesgästen, kann nicht einmal annähernd mit unserer Nordseeinsel verglichen werden. Bislang – und das wird auch so bleiben – finden sowohl wir Insulaner als auch unsere Gäste selbst im Hochsommer noch ausreichende Plätze der Ruhe und Erholung und jeder kann seinen Aufenthaltsorientierungen ohne Störung nachgehen.

Auch auf Sylt ist allerdings – wie auf den ­Balearen – Grund und Boden extrem knapp und teuer. Wie steht es aktuell um die Preise, wer kauft noch und wer kauft nicht mehr? Wie steht es um die Mieten für Residenten/Feriengäste? Gibt es eine Marktuntersuchung über den Stand dieser Dinge?

Aktuelle Marktuntersuchungen zu derartigen Immobilienfragen liegen mir leider ebenso wenig vor wie valide Erkenntnisse zu derzeitigen Käufergruppen, die auf Sylt investieren. Es ist jedoch spürbar, dass sich zumindest das Mietangebot für Insulaner entspannt, unter anderem durch die diversen Initiativen der Sylter Gemeinden. Und was die Mietpreise für Feriengäste betrifft, ist ein zur Teuerung des Grund und Bodens korrespondierender Anstieg nicht erkennbar.

Was tun, um die letzten Einheimischen nicht auch noch zu vertreiben?

Eine Sicherstellung von bezahlbarem Wohnraum für Insulaner können die Sylter Gemeinden mit entsprechendem Eigenangebot garantieren. Dies wurde mittlerweile erkannt und auch zum Teil bereits geplant bzw. umgesetzt. Diese Investitionen der öffentlichen Hand leisten also einen äußerst wichtigen Beitrag zur Vermeidung eventueller Abwanderungen, im Übrigen genauso wie das spürbar verstärkte Engagement von Sylter Arbeitgebern, adäquaten Wohnraum für ihre Mitarbeiter vorzuhalten. Insofern sehen wir hier recht zuversichtlich in die Zukunft.

Wie akut ist die Gefahr, dass der bayrische Ruf nach einer „Obergrenze“ auch auf Sylt erschallt – abgewandelt zu einer Obergrenze für anlandende Touristen?

Was die Quantität des Bettenangebots auf Sylt betrifft, sind wir uns allesamt einig, dass sich die Insel bereits an einer Obergrenze befindet. Entsprechend zurückhaltend agiert insofern auch das Land im Bereich der Förderung weiterer Kapazitäten, anders als beispielsweise an der Ostseeküste. Wir befassen uns auf Sylt verstärkt mit der inhaltlichen Optimierung des touristischen Angebots, damit Sylt auch weiterhin seinem Ruf als Premium-Destination gerecht werden kann.

Und womit konkret erfreuen Sie diejenigen, die über Winter kommen, in den nächsten Monaten?

Mit einem idealen Mix aus passenden Unterkünften, Kulinarik, Wellness und naturnaher Erholung. In Verbindung mit kleineren Kulturveranstaltungen und einem breiten Shoppingangebot kann Sylt optimal in dieser dunkleren Jahreszeit punkten. Auf www.sylt.de/reisen greifen wir beispielsweise aktuell diese Saisonzeit auf und geben Einblicke in das für einen Urlaub interessante Angebot.

Raum für Ruhe am Ellenbogen, List // Foto © DPA

Wer übernimmt in NRW Inselflüge von Air Berlin?

Möglicherweise ist ja bis heute, 15. Oktober, alles geklärt. Aber zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe Ende September war noch ungewiss, was aus den Flugverbindungen der insolventen Air Berlin von NRW nach Mallorca und Sylt eigentlich wird.
Thomas Kötter, Sprecher des bisher größten Air-Berlin-Drehkreuzes Düsseldorf International, zeigte auf Anfrage allerdings Optimismus:

„Unser Unternehmen ist kerngesund und wir sind ein starker Standort mit einem hochattraktiven Einzugsgebiet und einer sehr hohen Mobilitätsnachfrage. Da allerdings die Nachfrage auf Passagierseite nicht rückläufig ist, gehen wir im Allgemeinen fest davon aus, dass die heute vergebenen Slots auch in Zukunft weitergeflogen werden und unser Airport seine positive Entwicklung der vergangenen Jahre mittelfristig weiter fortschreiben kann. Wir sind zuversichtlich, dass bei Bedarf neue Airlines gewinnen können, die möglicherweise wegfallende Ziele in ihr Programm aufnehmen werden. Mit den Karibik-Flügen und den neuen Strecken von Eurowings und Condor ist uns hierbei ein erster wichtiger Erfolg bereits gelungen.“

Nach den bis Redaktionsschluss vorliegenden Trendmeldungen könnten die Lufthansa-Tochter Eurowings und die britische easyjet zumindest einen Großteil der NRW-Flugrechte von Air Berlin übernehmen.

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