Udo rockt den Liner

Udo Lindenberg über seine Vorlieben auf Mallorca, Sylt – und Kreuzfahrtschiffen

Rock an Bord / Foto © TUI Cruises

von TORSTEN STIEGEMANN

MyIlands-Herausgeber Torsten Stiegemann war mit Deutschlands Rocklegende Udo Lindenberg unterwegs auf dem vierten „Rockliner“ – heraus kam ein wirklich ungewöhnliches Interview.

Ein Mann und seine Worte – Udo Lindenberg, deutsche Rock-Legende aus Gronau, wohnhaft zumeist im Hamburger Traditions-Hotel Atlantic. Als Zugpferd war der Wort- und Musikarobat im Frühjahr wieder mal als Kreuzfahrer unterwegs, begleitet von knapp 2.000 Mitreisenden, die auf der komfortablen „Mein Schiff 3“ zwischen Lissabon und Palma nichts sonst wollten auf der vierten „Rockliner“-Tour als Udo hören, Udo sehen, mit Udo Eierlikörchen schlürfen.

MyIlands-Herausgeber Torsten Stiegemann war mit dabei, traf Udo Lindenberg  und bekam zunächst dieses Grußwort zu hören: „Die goldene Seefahrt... ja. Gestern war die erste Show... bin noch son kleines bisschen heiser, ne... Hamwa ordentlich geröhrt gestern...[oaroaroaroar] (hält Hand als Mikrophon). Müssen wa n bisschen gurgeln, ne... für die sanften Songs gurgeln wir mit Eierlikör, für die harten Songs gurgeln wir mit Whiskey... Prost, grüß dich (stößt an)“.

Danach eine Runde Udo-Kunde. Udo: „Das ist die Power, die die Band mir auch gibt... das ist dieser knallige Sound, ne. Ich lehn mich da so richtig rein in den Sound, ne... in das Schlagzeug, in die Energie, die vom Schlagzeug kommt und ich äh, ich klapp meine Flügel auf (breitet seine Arme aus) und so und dann hievt mich das so dadurch... Das trägt mich dadurch. Und auch die Liebe des Publikums, also auch die Energie und, und, ja. Wir werden mit sehr großen Herzen und mit nassen Augen empfangen, ne. Weiße, die Leute freuen sich enorm. Das gibt einem auch ordentlich Schub. Außerdem mach ichn bisschen Sport, immer. Ich hab diese großen Stadiendinger. Da mach ich ordentlich Sport so jede Nacht eine Stunde, zur Geisterstunde, renn ich dann los, eine Stunde joggen, Exercise und Liegestütze und Rolle rückwärts und alles das, alles das sind so Tricks, ne ja. Kondition ist gut, also saufen wenig, gezielt, und nicht mehr Mengenlehre also nicht mehr ist mehr, sondern jetzt gezielte Wirkstoffeinnahme und auch gelegentlich rauche ich eine Zigarre. Das ist ja gesund. Zigarren sind ja gesund, das ist ja eigentlich Gemüse, eigentlich Salat, es ist grün, Vitamine in Zigarrenform.“

Wie sieht denn dein Bordleben aus, wenn du nicht auf der Bühne stehst?
Ähm, ja, ähm, gestern war ne Talkshow. Hier ist ja jede Menge Angebot, also es ist sehr sehr viel gemacht... also abends macht zum Beispiel... Rockys blaue Stunde. Gestern war Jörg Sonntag vom Beatclub, da zeigen sie alte Filme und sprechen über Rock’n’Roll, Wissenschaften und das Ganze... Rebellion und wo das alles herkommt und Blues und so... weißte, das Vermächtnis, dass wir das Feuer, das wir weitertragen, Aufstand, Aufbruch, Jugendkulturen, politische Inhalte, ja, ähm, klar, also damals gingen wir, latschten plötzlich mit, ne, nicht Schnauze halten, sondern auf die Straße gehen, Straßenfieber, und und und.

Dann auf die Frage, wie Udo zur Kreuzfahrt kam ...
Udo: Ich wurde auch mal eingeladen in 2004. Das war ganz früher mal aus der Oper. Es wurde philosophiert, und ich habe gedacht, poach, reisen mit greisenden Gruftis, ob das für mich gut ist (lacht). Ich mach das mal 3 Tage. Ich hatte mit meiner Galerisitin, damals Carola... ne kleine Ausstellung gemacht... Komm doch mal mit... ich sach, ich mach mal 3 Tage mit. Und dann war das so geil, dann warn wir bei dem Ungeheuer von Loch Ness, schön [opdado] und dann hieß es, es geht weiter nach Orkney, normalerweise kommste da nie hin, ne. Diese Wildnis­insel... dann hatte das son son Hauch von Abenteuer, son Entdeckertum... und da habe ich das gemacht und da habe ich die Seefahrt wirklich sehr sehr... son bisschen für mich entdeckt.
Aber dann hab ich das für mich entdeckt und dann habe ich viele Kreuzfahrten gemacht, die halbe Welt schon angeguckt. Und dann habe ich gedacht, das möchte ich gerne... Ich hab der Band immer erzählt, wir müssten das eigentlich mal zusammen machen „ja dann mach doch“, dann war die Idee da mit dem Rockliner.

Udo, am Donnerstag kommen wir zur letzten Station Mallorca. Und ich glaube zu Mallorca hast du auch ne ganz gute Beziehung. Was gefällt dir an Mallorca? Wo hältst du dich am Liebsten auf? Hast du irgendwelche Restaurants die du empfehlen kannst?
Nee, Restaurants... Ich gehe praktisch nie in Restaurants, weißt du? Ich mag nicht sitzen und warten, ja. Wenn ich Hunger hab, will ich essen, dann schnell. Meistens gehe ich in irgendein Imbiss oder so. Oder mal auch mal klar, n bisschen Fisch oder so, ja, ne? Aber ich bin kein Restaurantkenner. Ich bin da gerne da in Deja, da oben in der Wildnis, da runter am Strand, da gibt’s bei Deja sonne kleine Serpentinenstraße runter, da wo es so ein bisschen wild und piratenmäßig ist, da bin ich gerne... Valldemossa mit Kollegen und so.

Bist du noch häufig auf Mallorca, oder eher selten?
Ne, jetzt war ich schon länger nicht mehr da. Es gibt ne Galerie, das heißt, im neuen Port Adriano (Anmerkung der Redaktion AHAOY! Art Galerie, Renate & Michael Pentzien), die kriegen immer Bilder von mir... Ist ne alte Freundin von mir, die hat mir Steppdance beigebracht – Jungs echt... – kannste mal grüßen wenn du die mal triffst auf Mallorca. Ja und sonst mag ich Ibiza aber auch sehr gerne... Ich mag vor allem da die Wildnis und so... in den Felsen, die Höhlen und so, also richtig Piratenleben, so ne und natürlich klar diese Clubs, gut getarnt (lacht). Jeder tarnt sich so, geht da mit Masken hin und dann machen wir n Schaumbad und n Blubberschaumbad und der ganze Scheiß (lacht). Mach ich alles mal ganz gerne mit. Vor allem ist es schade, dass keiner weiß das ich das bin (lacht)... Gut getarnt... [hahaha]. Der Meister im Tricksen und Tarnen... weil ich früher mal Privatdetektiv war, musste ich das alles mal Lernen mit dem Tricksen und Tarnen, anschleichen, weiße Bescheid (lacht).

Und deine Beziehungen zu Sylt?
Ja, die gibt es ja. Sylt.. ganz viele Texte gemacht. Sylt, Miramar, das alte Shining Hotel, ne. Haben sie umgebaut... schön gemacht Familie Kreis... und dem bin ich auch treu. Und im Benen-Diken-Hof, Familie Johannsen, ne... auch sehr liebe Leute, aber dann wollte ich doch direkt am Wasser sein, an der Flutkante, ne, deswegen bin ich jetzt schon zig Jahre im Miramar, wenn ich da mal hinfahre... so einmal im Jahr, mindestens. Hab auch meine Malerei da unten im Restaurant und und und... Es gibt viele Galerien, es gibt ja auch die Sansibar, auch mit den Bildern. Läuft ja gigantisch diese Malerei...das hätte ich ja nie mit gerechnet, dass die Malerei auch so abgeht, ne. Und da, auch die allerersten Texte, sind da entstanden am Strand mit ner Buddel Rum in der Tasche und da am Strand mit dem Sturm... durch den Sturm, den Orkan... und da kamen mir die ersten Ideen für die deutschen Texte. Deswegen habe ich zu Sylt eine ganz besondere Beziehung, ja.

Auf die Frage, ob Udo sich auch mal irgendwann zurückziehen möchte ...
Ich bin immer da, wo ich auch mit Menschen nahe zusammen sein kann. Ich will mich nicht verstecken, so wie einst Marlene Dietrich. Auf die etwas älteren Tage hat sie sich zurückgezogen, in ihre Wohnung in Paris... keine  Öffentlichkeiten mehr, ja. Man sollte sie so in Erinnerung behalten, wie sie es halt wollte. Ihr Bild von Marlene Dietrich. Ich mache es anders. Ich lebe auf der Straße, ich lebe auf dem Kiez. Ich will mit den Leuten zu Hause sein, ne, da wo die Aktion ist. Ich mache das gerne und, ja. Und wenn dann mal n Selfie kommt, Selfie ja logo man, mach ich [klickediklack]. Sie sind aber sehr charmant, aber schwer auf Zack. Dann geht der schon, ja. Wenn ich jemanden gut finden würde, würd ich mir auch n Selfie holen (lacht).

Wenn du hier mal ne Suite bekommen würdest, würdest du dann hier einziehen? Atlantic gegen „Mein Schiff“ tauschen?
Nein, das würde ich nicht. Im „Atlantic“ ist alles bodenschössig, alles sehr toll, ne. An Land kann ich zum Beispiel überall rauchen – das sind dann Leute, müssen wie die Hunde vor die Tür gehen, müssen vor der Tür rauchen... Ja einer muss den Job ja machen. Ich bin Auftragsraucher, ich bin ja Auftragsraucher von Helmut Schmidt, aber das versteht auch jeder und dann okay, kannst ja heimlich hier rauchen, okay, aber psst nicht weitersagen ...

Dann bin ich auch viel in Berlin, auch wegen Musicals, in den letzten Jahren. Und, aber Seefahrt, ganz toll, und könnte ich mir auch vorstellen, aber welches Schiff muss ich mal gucken, weil ich mag andere Reedereien auch, andere Schiffe finde ich auch toll. Ich mag auch die „Europa“ sehr gerne, da bin ich mal mit gefahren, aber auch die „Deutschland“ fährt jetzt auch wieder, „Queen Mary“ hab ich auch schon mal gemacht, New York ­rüber, mit „Elisabeth“ nach Island vor 2 Jahren, alles, alles Seefahrt. Aber die Reederei „Mein Schiff“ ist mir schon sehr sehr lieb. Nicht umsonst mach ich das hier schon das vierte Mal das hier zusammen. Und ich hab auch schon andere tolle Reisen auf „Mein Schiff“ hier gemacht. Ein Mann und seine Worte – und darauf noch ein Eierlikörchen!

Ein Mann und seine Worte – Interviews mit Udo sind einzigartig. Wieder mal. Oder?

Anstoßen mit „Eierlikörchen“ - Udo, Ina Bredhorn/Meine Cousine und Torsten Stiegemann | Foto © marenmartens
Rock an Bord - Udo Lindenberg und seine Band beim Konzert auf der „Mein Schiff 3“ | Foto © TUI Cruises
Das Ehepaaar Kreis (Hotel Miramar/Sylt) präsentieren stolz ihr Udo Lindenberg-Unikat „Miramar, ein Traum!“ | Foto © PRIVAT

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