MALLORCA: EIN TRAUM FÜR RADFAHRER

Der radsporterfahrene Schauspieler ANTHONY ARNDT nennt in „MyiLands” die schönsten Routen und aufregendsten Ausblicke auf der Baleareninsel.

Wenn Mallorca im Frühjahr aus dem Winterschlaf erwacht und die blühenden Obstbäume und Mohnfelder die Insel in ein farbenfrohes Blütenmeer verwandeln, wenn die Tage langsam länger werden und das Klima milder wird, ist die ideale Zeit, um die abwechslungsreichste der spanischen Mittelmeerinseln im Sattel eines Fahrrades zu entdecken.

Die größte der Baleareninseln mit dem Drahtesel zu erfahren, ist wohl die beste Art, ihren wahren Charakter und die mannigfaltigen Naturlandschaften zu erleben. Das Straßennetz auf Mallorca ist sehr gut ausgebaut und etwa 1.200 Kilometer lang. Mittlerweile gibt es immer mehr Radwege, die Fahrradbegeisterte auch abseits der Hauptverkehrsstraßen gefahrlos die Insel erkunden lassen.
Nicht umsonst zieht es zwischen Dezember und April Jahr für Jahr viele Profiradler aus Deutschland, England, Holland, Belgien und Frankreich auf die Insel. Auch das Herz des ehemaligen Radsportprofis und erfolgreichen Schauspielers Anthony Arndt schlägt höher, wenn er an Mallorca denkt: „Ich habe die Insel kennengelernt, als ich 1980 als Animateur im Robinson Club Urlauber auf Fahrradtouren begleiten sollte und habe mich spontan verliebt und bin ihr bis heute treu geblieben“, so der 65-Jährige, der seit Dezember mit dem Roadmovie „Pottoriginale”, in dem er die Hauptrolle spielt, durch Deutschland tourt. Die Pläne des Robinson Clubs wurden seinerzeit jäh durchkreuzt, als die Fahrradlieferung auf dem Flug beschädigt wurde, erinnert sich Arndt.

RADSPORTBOOM IN DEN 80ER- UND 90ER-JAHREN
Die Liebe zu „seiner Insel“ und zum Radsport führte den Boheme, der unter anderem zwei Jahre mit dem Circus Roncalli durch die Welt getourt ist, dennoch wenig später zurück nach Mallorca: Im Hotel Delta in Puig de Ros im Osten von Palma begleitete er im Frühjahr mehrere Wochen lang Kaderfahrer auf ihren Trainingsfahrten ins Tramuntana-Gebirge und ins Umland. „In den 80er- und 90er-Jahren hat sich auf Mallorca ein wahrer Radsportboom entwickelt“, erzählt der Kenner der inter­nationalen Radsportszene. Immer mehr Hotels und Veranstalter bieten seitdem spezielle Radsportreisen auf der Insel an, die ersten Jedermann-Rennen sind daraus entstanden. Jedes Jahr um die Osterzeit, wenn das Wetter milder wurde, pilgerten schon damals rund 100.000 Radfahrbegeisterte – Profis wie Amateure und Gelegenheitsfahrer – nach Mallorca. Arndt begleitete viele von ihnen auf ihren Touren, darunter auch der deutsche Autorallyefahrer Walter Röhrl und viele bekannte Sportler und Schauspieler. „Mallorca ist ein Traum für Radfahrer“, schwärmt er.
Anthony Arndt mit dem ehemaligen Rennradprofi Erik Zabel auf Mallorca FOTO © PRIVAT

Anthony Arndt mit dem ehemaligen Rennradprofi Erik Zabel auf Mallorca FOTO © PRIVAT

MALERISCHE KÜSTEN, STEILE BERGE UND RASANTE ABFAHRTEN
Weniger trainierten Fahrern empfiehlt Arndt 2-2,5 stündige Fahrradausflüge an der Küste entlang in Richtung Santanyí, Colonia Sant Jordi und Ses Salines. Naturliebhaber kommen in dieser Gegend auf ihre Kosten, die mit ihrer rauen Küste und dem Kontrast zwischen Wäldern und Flachland begeistert. Unterwegs sollten Radfahrer unbedingt eine Pause am „Glascafe“ in Cala Pi, einem bekannten Treffpunkt der Fahrradszene auf Mallorca, einplanen. „Bei Brot mit Aioli und Oliven trifft sich hier Gott und die Welt“, so der ehemalige Fahrradguide. Ambitioniertere Fahrer führte Arndt, der große Rennen wie die Tour de France, Giro d’Italia, und die Deutschland Tour als Moderator und Interviewer der Radsportgrößen begleitet hat, ins Tramuntana-Gebirge, am Kloster Lluc vorbei in Serpentinen hinauf bis zum Puig Major, mit 1.445 Metern Höhe der höchste Berg der spanischen Baleareninsel.

Seine persönlichen Lieblingsstrecken führen beginnend in El Arenal an der Küste entlang nach Sa Rapita, das mit der außerordentlichen Schönheit seiner Küstenlinie, aber auch mit charmanten alten Gebäuden und vielen schönen Cafes im Hafen lockt. Auch die Cala Mondragó ist für ihn „eine der schönsten Buchten der Insel“ und damit ein beliebtes Ziel. Zurück führt der Weg per Pedales über den Ferienort Cala d’Or Richtung San Salvador. Hier liegt in 509 Metern Höhe auf dem Berg Puig de Sant Salvador das 1348 gegründete Kloster Santuari de Sant Salvador, in dessen Vorraum der ehemalige mallorquinische Radrennfahrer, sechsfache Weltmeister und erfolgreichste Steher aller Zeiten Guillermo Timoner seine sechs Weltmeister-Trikots ausgestellt hat. „Hier bekommt man auch die beste Paella der Insel“, verrät Anthony Arndt. Weitere Sehenswürdigkeiten, die Arndt auf der Insel gern mit dem Fahrrad erradelt, sind beispielsweise das Kloster Lluc im Tramuntana-Gebirge und das Bergdorf Valdemossa, in dem der polnische Komponist Frédéric Chopin einen Winter verlebt hat. Aber auch die Bucht von Palma und die Hauptstadt selbst mit ihrer lebendigen Kneipenszene sind seiner Meinung nach beliebte Ziele für einen Fahrradausflug.Radfahrer unterwegs in den engen Gassen von Montouri FOTO © DPA

Radfahrer unterwegs in den engen Gassen von Montouri FOTO © DPA

Wenn man ihn nach sportlich herausfordernden Touren fragt, kommen der Soller-Pass, der Puig Major mit seinen berühmten Haarnadelkurven und die spektakuläre Abfahrt nach Sa Calobra zur Sprache. „Bei diesen anspruchsvollen Touren herrschte immer eine besondere Stimmung, wenn die Fahrer an ihre Grenzen gingen und in den Wettkampf miteinander getreten sind“, erinnert sich Arndt an Trainingsfahrten mit den Top-Fahrern. Seinen letzten persönlichen großen Radsport-Erfolg erzielte er im Jahr 2014, als er zweitbester Deutscher Radrennfahrer seiner Altersklasse bei den „Jedermännern“ wurde. Heute lässt der ehemalige Radsportprofi und Schauspieler es auf seinen Radtouren „eher beschaulich“ angehen, erkundet die Gegend entlang der Ruhr rund um seine Heimatstadt Witten in gemütlichem Tempo und lernt dabei seine Texte. Aber auch nach Mallorca zieht es ihn bis heute immer wieder. Hier trifft er sich meist einmal im Jahr mit dem ehemaligen Radsportprofi und Teilzeit-Mallorquiner Erik Zabel und begibt sich mit ihm auf gemeinsame Radtouren.

WAS RADFAHRER AUF MALLORCA BEACHTEN SOLLTEN
Radsportbegeisterten, die die Insel mit dem Drahtesel erkunden wollen, empfiehlt er den Frühling mit angenehmen Temperaturen zwischen 17 und 23 Grad und wenigen Regentagen als beste Zeit zum Fahrradfahren. Auf den Hauptstraßen, die man am besten weitestgehend meidet, sollten sich Mallorcaurlauber mit dem Rad in Gruppen von maximal 12 Personen möglichst weit rechts halten und konzentriert hintereinander fahren. Gefährliche Überholmanöver in Kurven sollten unbedingt vermieden werden. „Nicht ganz ungefährlich sind aber auch die tiefen Gräben neben den Straßen, von denen Radfahrer genügend Abstand halten sollten. Da es auf Mallorca im Frühjahr auch häufig windig ist, gerät man hier schnell einmal ins Schlenkern“, warnt der Insel-Kenner. Gutes Kartenmaterial sei bei einer Tour auf Mallorca unbedingt zu empfehlen. Wer sein GPS-Gerät nutzt, kann sich bei zahlreichen Anbietern im Internet teils kostenfreies Kartenmaterial herunterladen. Geeignet sind die Kompass-Karten oder auch die Bikeline Radkarten vom Verlag Esterbauer. Frei nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ empfiehlt Arndt auch für Radtouren auf der Baleareninsel Funktionskleidung und eine Windjacke sowie ein trockenes Hemd zum Wechseln im Gepäck. Eine fahrradtaugliche Sonnenbrille und ein Fahrradhelm sind ebenfalls wichtige Utensilien. Letzterer ist mittlerweile in Spanien sogar Pflicht! Sobald die Fahrradbeleuchtung eingeschaltet ist – zwingend zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang – müssen Radfahrer reflektierende Kleidung tragen. Der Promillegrenzwert liegt auch für Radler bei 0,5. Werden Kinder transportiert, müssen diese in einem speziellen Kindersitz Platz nehmen.

WICHTIGE TELEFONNUMMERN FÜR RADFAHRER AUF MALLORCA

NOTRUF 112
GUARDIA CIVIL 062
LOKALE POLIZEI 092
AMBULANZ 061