Vom Model zur Modeunternehmerin

JUDITH DOMMERMUTH

WENN EIN POTENTIELLER KUNDE SIE KENNENLERNEN MÖCHTE, DANN IST JUDITH DOMMERMUTH ZUR STELLE – SELBST WENN SIE DAFÜR MAL EBEN FÜR EINEN 18-STÜNDIGEN AUFENTHALT NACH MELBOURNE FLIEGEN MUSS, VON DORT WEITER NACH PARIS ZU DEN MODENSCHAUEN UND NACH DÜSSELDORF ZUR FASHION WEEK. DENN HIER HAT DIE GRÜNDERIN UND EIGENTÜMERIN DER MODEMARKE „JUVIA“ IHREN ERSTEN EIGENEN 300 QUADRATMETER GROSSEN SHOWROOM ERÖFFNET.

von DAGMAR HAAS-PILWAT

Erst vor fünf Jahren hat sich die 42-Jährige den Traum von einem Label mit dem Fantasienamen „Juvia“ erfüllt. „Das war damals eine verrückte Zeit“, erinnert sie sich. Sie hatte Betriebswirtschaft studiert. Als Model für Mode-Katalog-Aufnahmen stand sie vor der Kamera. In einer Stewardess-Uniform machte sie Werbung für Air Berlin. Überall, wo der Schriftzug der Airline auftauchte, sah man sie als „Typ nettes Mädchen von nebenan“. Außerdem war sie als Ehefrau des Internet-Milliardärs Ralph Dommermuth oft unterwegs. Und dann hat sie ihr Mann auch noch zum Aufbau ihres eigenen Labels ermutigt.

Die schöne Brünette liebt das pralle Leben, doch wenn sie daheim ist in Montabaur, heißt es, raus aus den Klamotten und rein in den gemütlichen Sweater und die bequeme Hose. Aber nicht in irgendwelche der Marke XY, sondern bloß noch in die von ihr entworfene „Loungewear“. „Ich wollte bequeme Kleidung für die Freizeit, die man nicht nur auf der Couch, sondern auch beim Einkaufen im Supermarkt und aufgemotzt im Club tragen kann.“ So erklärte sie es Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sie beim Besuch einer Modedelegation im Kanzleramt danach fragte.

Komfortabel sei übrigens nicht zu verwechseln mit ollen Jogginghosen und abgetragenen Jacken. Das Sortiment beinhaltet so ziemlich alles, was die Fans von legerer Mode sich nur wünschen können: Tops, Shirts, Shorts, Sweatshirts, Hoodies und Hosen – auch mit Palmen-, Stern- und Leo-Prints. Alles ist waschbar, miteinander kombinierbar. „Ich stehe auf Mix und Match, auf Muster und Töne. Und weil Farbe einfach glücklicher macht und jeden zum Strahlen bringt“ setzt die Macherin farbenfrohe Akzente. Jedes Detail ist ihr wichtig, vom Rollbündchen bis zum Etikett. Letztere werden allerdings nicht eingenäht („kratzen doch“), sondern das Logo ist aufgedruckt.

Wie es aussieht, hat die im ostwestfälischen Lippstadt geborene Judith Dommermuth den Nerv der Zeit getroffen: 2018 machte sie mit ihren Kollektionen aus Kaschmir oder Baumwolle 16 Millionen Euro Umsatz. Inzwischen sind in der Zentrale im Kölner Rheinauhafen 30 Mitarbeiter im Einsatz. Die Kollektion wird in 16 Ländern an 1000 Verkaufsstellen vertrieben.

Aber woher hat sie überhaupt eine Ahnung von Entwurf, Fertigung, Material und Visualisierung, alles Dinge, die man als Modemacher gelernt haben sollte? Die Frau mit den Model-Maßen lacht. „Als Fitting-Model habe ich jahrelang hautnah bei der Entwicklung von Mode mitgewirkt – von den Produktionsschritten über die Messen bis hin zum Organisieren von Shootings.“ Die Kontakte von damals wurden aktiviert, das Netzwerk funktioniert wie geschmiert. Sie ist auf Erfolg programmiert und „kein Model, das ein bisschen Mode macht“.

Dabei könnte sie doch als Ehefrau des vermögenden Unternehmers Ralph Dommermuth bestimmt einen Gang zurückschalten, oder? Ihre Augen blitzen auf, denn diese Vorstellung behagt ihr so gar nicht. Sie will auf beiden Beinen stehen, das ist sie von kleinauf gewohnt. Ihren ersten Werbeauftrag hatte sie mit sechs Jahren. Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Britta für Pfanni-Reibekuchen. „Bei Werbeaufnahmen mit Kindern wurden gerne Zwillinge gesucht – damit diese zwischendurch ausgetauscht werden konnten.“ Reisen ist eine ihrer großen Leidenschaften, sie bewegt sich gern zwischen den Welten. Das war schon als Kind so, als die Familie – die Mutter stammt aus Guatemala – jedes Jahr sechs Wochen in Miami verbrachte und die weit verzweigte Verwandtschaft sich traf. Dort am Meer unter Sonne und Palmen hat Judith Berger die lässige optimistische Lebensart aufgesogen.

Sylt ist heute einer ihrer Sehnsuchtsorte, in List hat sie auch ihren ersten Shop-in-Shop-Store bei „Different Fashion“ eröffnet. Die Insel sei ja nur ein Katzensprung vom Rhein entfernt und in der Nebensaison fernab von allen Society Partys könne man sich nirgendwo besser erholen“, sagt sie. „Man kann komplett für sich alleine sein und stundenlange Strandspaziergänge unternehmen. Sich aber auch gleichzeitig mit Freunden treffen, in eins der tollen Restaurants gehen und/oder in der Sansibar feiern. Ich liebe Sylt, weil die Insel so vielseitig ist.“
Palmen wachsen auf lässigen Hosen // Fotos © Juvia

Palmen wachsen auf lässigen Hosen // Fotos © Juvia

JUDITH DOMMERMUTH UND IHRE MODISCHEN TIPPS:

Welcher Ihrer Frühjahr-/Sommer-Lieblings-Outfits passen zu Sylt und zu Mallorca?

Für Sylt liebe ich unser Camouflage Thema in den Aqua Tönen, die Farben passen perfekt zur Nordsee. Ideal für die Insel kann man unsere super leichte und winddichte Jacke kombinieren. Für Mallorca mag ich es farbenfroh. Unsere Palmen Hose in Pink macht richtig Lust auf Urlaub.

Was sind die aktuellen Farben der kommenden Saison?

Ich freu mich schon auf unsere neue Kollektion mit einem super schönen Gelbton. Perfekt kombiniert mit Weiß oder Grau. Für mich ist Gelb die Farbe der kommenden Saison.

Wenn Sie auf Reisen sind, welche Kleidungsstücke sind unverzichtbare Allrounder und immer dabei?

Ein kleines schwarzes Jersey Kleid ist immer bei mir im Koffer. Ein echter Allrounder, den man mit den richtigen Accessoire vom Strandkleid bis zum Abendoutfit stylen kann.

Verraten Sie uns Ihre Styling-Tipps für eine Cocktail-Einladung oder eine Dinner-Party?

Da ich mich im Alltag sehr lässig kleide, mag ich es, mich bei Cocktail Einladungen und Dinner Partys auch mal chic zu stylen. Besonders wichtig in dem Fall Accessoires wie Schuhe und Tasche. Sie sollten immer aufeinander abgestimmt sein und geben jedem Look das gewisse Extra. Das Outfit bei solchen Events sollte außerdem gut sitzen und der Stoff nicht knittern. Nur dann kann man sich richtig wohl und selbstbewusst fühlen – und Selbstbewusstsein ist sowieso das schönste Accessoire.

Fotos © Juvia