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MyiLands 0124 -Lost Places - 1

Lost Places

Kunst-Anstoß und Bahn-Überraschung: Zwei Leser berichten in MyiLands über zwei weitere „Lost Places“ auf Sylt.

Seit Dezember ist „Lost Places“ erfolgreich auf dem Markt. In dem Buch, herausgegeben von TV Sylt1, haben die beiden Autoren Axel Link und Alex Lenz spannende bis kuriose Geschichten um mehr oder weniger geheimnis­umwitterte Plätze und Vorkommnisse und die beteiligten Menschen gesammelt und veröffentlicht. MyiLands hatte darüber in der Jahresschluss-Ausgabe berichtet und Leserinnen und Leser ermutigt, für eine mögliche zweite Auflage des Buches eigene Geschichten und Erinnerungen an Orte, Bauwerke oder Menschen auf Sylt einzusenden, die in die Reihe der Vergessenen passen. Zwei Beiträge dazu haben die Redaktion seither erreicht. Sie wurden den Herausgebern des Buches übermittelt. Über eine Neuauflage ist dort noch nicht entschieden, deshalb veröffentlicht MyiLands die Texte zunächst hier.

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EUROPA UND TRITON

Als Sylturlauberin fahre ich mit meinem Mann und den Kindern (nebst Enkelkindern) bereits seit über 30 Jahren nach Sylt. Aber diese zwei Monumentalfiguren aus Muschelkalk habe ich lange Zeit nicht wirklich wahrgenommen. Selbst bei Veranstaltungen in der Westerländer Konzertmuschel bin ich auf sie nicht aufmerksam geworden, doch die Original-Vorlagen wurden keineswegs „vom Zahn der Zeit zerfressen“. Sie flankieren nach wie vor die Zuschauerbänke gegenüber der Musikmuschel in Westerland. Die von einem Kurgast aus Charlottenburg gestifteten Figuren (Europa auf dem Stier und Triton auf dem Hippokamen) wurden im Jahr 1914 durch den Bildhauer Karl Ludwig Manzel gefertigt. Natürlich sieht man den Figuren heute an, dass der Zahn der Zeit an ihnen genagt hat. Näheres finden Sie u. a. in der „Liste von Kunstwerken im öffentlichen Raum auf Sylt“ (Wikipedia).
Meine ganze Aufmerksamkeit fanden die Kunstwerke erst, als ich nach den Eindrücken einer Romreise schrittweise mit der Malerei begann. Ich interessierte mich dabei in erster Linie für die Figurenwelt aus der griechischen und römischen Mythologie.
Und so kam es, dass ich später die oben genannten Skulpturen auf meine Weise mit kleinen kreativen Veränderungen bzw. Ergänzungen auf der Leinwand umsetzte. Bei diesem kreativen Prozess ließ ich Europa auf dem Stier übers Meer in den Sonnenuntergang gleiten. Auf Kunstausstellungen (u.a. in Düsseldorf und im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres „RUHR 2010“) hatte ich Gelegenheit, auch diese Bilder zu präsentieren. Die Düsseldorfer Ausstellung lief damals unter dem Motto „Zwischen Mythos und Phantasie“.
Jedenfalls kam ich auf allen Ausstellungen mit Menschen in Kontakt, die Sylt auch gut kannten und sehr erstaunt waren, dass ich dieses Motiv auf der Insel gefunden hatte. Sie bestätigten mir alle, dass sie diese Figuren nicht mit einer Bildhauerarbeit auf Sylt in Verbindung gebracht hätten. Alle waren ausnahmslos überrascht und fast ein wenig beschämt, dass sie diesen Werken bisher so wenig Beachtung geschenkt hatten. Es ging ihnen damit nicht anders, als es mir ergangen war.
Abschließend kann ich sagen, dass ich froh darüber bin, es gewagt zu haben, diese Skulpturen auf die Leinwand zu bringen. Sie erinnern mich in meinem Atelier immer wieder an Sylt, das nach wie vor mein jährliches Urlaubsziel ist.
Annegret Rehne, Moers

MIT VOLLDAMPF ZURÜCK …

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Das mit Abstand größte Einfallstor für Sylter Insulaner und ihre Gäste ist und bleibt der Bahnhof Westerland. Ein Ziel für Millionen, also eigentlich ein Gegenpol zu den „Lost Places“. Zugleich ist ein solch singulärer Ort aber auch Schauplatz unendlich vieler Geschichten, die im Laufe der Zeit dem gemeinschaftlichen Vergessen anheimfallen. An eine Geschichte aus dieser Kategorie hat Bernd Meyer aus Dortmund, seit drei Jahrzehnten etliche Male in Westerland angelandet, in diesem Brief erinnert:
„Es war im Sommer, ungefähr Mitte oder gegen Ende der 1980er Jahre. Da warteten meine Frau und ich bei einem Abschiedsbier am Stammtisch im Bahnhofsrestaurant auf den Zug, der uns heimbringen sollte. Die Bahnsteige hatten wir durchs geöffnete Fenster im Blick. Plötzlich aufgeregte Stimmen, ein Zug rollte ein. Ein Bahnbeamter lief zur Lok, wo der Lokführer aus seinem Seitenfenster schaute und dann heftig nickte. Alle Waggontüren blieben geschlossen, die Lokomotive wurde eilig abgekoppelt. Ein Ruck ging durch die Waggons, rückwärtig war eine neue Lok angekoppelt worden – und der Zug setzte sich wieder in Bewegung, diesmal in Richtung Hindenburgdamm und Festland.
Es stellte sich schnell heraus, dass wir einem Ereignis der Bahngeschichte zugeschaut hatten: In dem Zug befand sich eine Gruppe von über 200 Skinheads, die sich zu einer Massenprügelei mit einer Gruppe von Punkern auf der Insel verabredet hatten. Das war der Sylter Polizei zu Ohren gekommen, die hatte mit der Bahnpolizei und der Zugbesatzung kurzerhand den umgehenden Rücktransport des Schlägertrupps verabredet. Auf der Insel blieb danach alles ruhig – Dank wahrhaft unbürokratischer Zusammenarbeit der Behörden.“

Also wirklich eine Erinnerung an eine „gute alte Zeit“, denkt man an die vergleichsweise unruhigen Punker-Erlebnisse 2022 und 2023 …

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