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Als das Leben noch eine Große Party war

MyiLands Kunst:

Als das Leben noch eine Große Party war

Erstmals kuratiert Claudia Schiffer eine Ausstellung und präsentiert mit „Capitvate!“ dem Publikum einige der einflussreichsten Modefotografen der letzten Dekade des analogen Zeitalters vor der digitalen Revolution.

1992 in Kalifornien. © HERB RITTS FOUNDATION / TRUNK ARCHIVE

Sie ist in aller Welt zu Hause. Es gab Zeiten, da war Claudia Schiffer ständig auf den Catwalks und zu Foto-Shootings unterwegs – von New York nach Paris, von Mailand nach London, von Palma nach Palm Springs. Vor Jahren hat sich das Supermodel, die Fashion und Mode-Ikone, mit ihrem Mann, dem Filmproduzenten Matthew Vaughn und den drei Kindern, Caspar, Clementine und Cosima, auf einen 215 Hektar großen Landsitz in der britischen Grafschaft Suffolk zurückgezogen. Dort besitzt sie – neben einem Stadthaus im Londoner Stadtteil Notting Hill – ein herrschaftliches denkmalgeschütztes Tudor-Landhaus aus dem 16. Jahrhundert.

von DAGMAR HAAS-PILWAT

Doch es gibt drei andere Orte, die das deutsche Supermodel von klein auf geprägt haben. Das sind einmal das ländliche Rheinberg, wo sie aufwuchs und natürlich Düsseldorf, wo sie 1987 als 17-Jährige auf der Kö entdeckt wurde. Und da ist Mallorca. Schon als Kind verbrachte das bis heute erfolgreichste deutsche Model aller Zeiten mit einem geschätzten Vermögen von rund 200 Millionen Euro unbeschwerte Ferientage auf der Insel. Die Familie hatte eine Bleibe in La Mola (Andratx). Später baute man an der Südwestküste ein Haus in Camp de Mar, direkt oberhalb des ersten Abschlags vom Golfplatz in Andratx. Die Villa, die sich auf den spektakulären Klippen im duftenden Pinienwald versteckte, wurde jedoch 2017 verkauft, und die Besuche von „La Schiffer“, wie die Spanier sagen, auf Mallorca sind seltener geworden.

Jahrelang profitierte die Insel von Claudia ­Schiffers Mallorca-Begeisterung. Bilder von ihren Insel-Urlauben in den bunten Blättern in aller Welt trugen zum positiven Image des Eilands bei. Die Deutsche war sogar mal in offizieller Mission für die Balearen tätig: 2005 trat sie werbewirksam als Insel-Botschafterin auf der Tourismusmesse ITB in Berlin auf.
Noch heute postet Cloodia – wie sie Karl Lagerfeld stets nannte – regelmäßig auf Instagram Fotos von damals und beglückt damit ihre 1,6 Millionen Follower. So hat Claudia Schiffer erst im vergangenen Jahr zu ihrem 50. Geburtstag „Besondere Erinnerungen aus dem Familienalbum”, zu den Fotos geschrieben, auf denen sie vom Baby bis zur jungen Frau zu sehen ist, die vor 34 Jahren als Model von Paris aus Welt­arriere machte und aufstieg in den exklusivsten Club der 1990er Jahre: den der fünf „Supermodels“ mit Cindy Crawford, Naomi Campbell, Carla Bruni und Helena Christensen.

Cindy Crawford und Claudia Schiffer 1992 in New York. @ BRUCE WEBER

Mit der von ihr erstmals selbst kuratierten Ausstellung „Captivate! – Modefotografie der 90er“ im Düsseldorfer Kunstpalast ist Claudia Schiffer nun an den Ort zurückgekehrt, an dem sie 1987 entdeckt worden ist.
Schiffer, die zur eigenen Marke wurde, bittet zu einer persönlichen Zeitreise in die Modewelt der 90er Jahre: Die Insiderin zeigt private Fotos und gewährt als Kuratorin Einblicke hinter die Kulissen von Catwalks und Cover-Shootings. Sie versammelt mehr als 20 der einflussreichsten Modefotgrafen von Richard Avedon über Peter Lindbergh bis Ellen von Unwerth, Designerinnen sowie ihre berühmten Model-Kolleginnen, deren Energie und Visionen gemeinsam das Jahrzehnt bestimmt haben. Die Schau beleuchtet die Selbstermächtigung der Models als Stars und Geschäftsfrauen und das seismische kulturelle Beben, das dieses Modejahrzehnt zu einem der reichhaltigsten und aufregendsten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts macht.

Captivate, das lässt sich mit „faszinieren”, „entzücken” übersetzen – und es gibt zahlreiche schön hergerichtete Frauen zu sehen, die in perfekter Beleuchtung posieren. Doch die Schau zeigt mehr als das, sie zeigt einen Paradigmenwechsel. Zwar erscheint das, was damals als revolutionär galt – selbstbewusste Models mit eigenem Profil, Charakter und dickem Konto – heute geradezu selbstverständlich. Doch der Wandel, der sich damals vollzog, war aus emanzipatorischer Sicht gewaltig. Wir nahmen unsere Karrieren selbst in die Hand“, schreibt Claudia Schiffer, im Katalog. „Mit unserem Einfluss gingen beispiellose Honorare und Exklusivverträge einher.“ Models – jedenfalls einige – wurden plötzlich genauso verehrt wie Schauspielerinnen und Popstars. Sie diktierten jetzt die Bedingungen und sie waren die ersten Influencerinnen.

„Claudia Schiffer ist eine Protagonistin und zugleich informierte Betrachterin der Modeszene, und genau das macht ihren Blick auf die Modefotografie so einzigartig“, hebt Felix Krämer, General­direktor Kunstpalast, hervor.
Anhand von rund 120 Ausstellungsobjekten eröffnet sich ein Panorama vielfältiger Aspekte, Akteure und Orte, die für die Modewelt und Kulturlandschaft dieses Jahrzehnts von Bedeutung waren: Die Extravaganz des Œuvre von Arthur Elgort tritt neben den intimen, unmittelbaren Stil von Corinne Day. Ellen von Unwerths Sinn für Humor und ihr überbordendes Spiel mit Sexyness treffen auf die skulpturalen, perfekt komponierten Bilder von Herb Ritts. Die provokanten Aufnahmen von Juergen Teller begegnen der Eleganz und Zeitlosigkeit von Karl Lagerfelds Fotografien. Damit sind nur einige der vielen bedeutenden Fotografinnen und Fotografen genannt, die die Ausstellung beleben. Daneben zeigt sich eine Reichhaltigkeit der Medien selbst: Vom Billboard über den perfekten fotografischen Abzug im Rahmen, die gedruckte Magazinseite oder Polaroids und Kontaktbögen – Bilder treten den Besucherinnen und Besuchern in allen denkbaren Formen entgegen.

Beim Rückblick staunt die nun 51-Jährige selbst am meisten über ihre Karriere: „Als Kind hatte ich leichte X-Beine, und mein Po ragte so weit heraus, dass ich Ente genannt wurde, wenn ich durch die Schule watschelte.” Es war Karl Lagerfeld, der ihr das Laufen beibrachte. Sie selbst sagt: „Er hat mich von einem schüchternen deutschen Mädchen in ein Supermodel verwandelt. Lagerfeld ist der einzige Mensch, der Schwarz und Weiß bunt machen konnte! Was Warhol für die Kunst war, war er für die Mode.“

Aus dem Familienalbum von 1989. © HAAS-PILWAT

„LA SCHIFFER”
Am 25. August 1970 wurde sie als erstes von vier Kindern der Eltern Gudrun und Heinz Schiffer geboren. Zu ihren frühen Hobbys zählte Claudia Ballett, Klavierspiel und Tennis, besuchte das Gymnasium und träumte davon, Anwältin in der väterlichen Kanzlei zu werden.
KARRIERE
In Düsseldorf begann 1987 der Aufstieg zum Supermodel. Als Ellen von Unwerth sie für eine „Guess“-Jeans-Kampagne fotografierte, wurde sie als „neue Brigitte Bardot“ gefeiert und in Paris Karl Lagerfelds Muse.
MÄNNER
1994 Verlobung mit dem amerikanischen Magie-Künstler David Copperfield; 2000 kurze Liaison mit dem Briten Tim Jefferies; seit 2002 verheiratet mit dem Filmregisseur Matthew Vaughn. Das Paar hat einen Sohn und zwei Töchter.

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