Mallorca Wein:

DOP Plà i Llevant

Es war unser Bericht über das mallorquinische Wein-Genie Miquel Gelabert in der Juniausgabe von MyiLands, der in der Weinwelt Mallorcas für Aufsehen gesorgt hat. So kam es, dass wir an einem heißen Augusttag eine Einladung von der DOP Plà i Llevant erhielten. Plà i Llevant ist eine der zwei geschützten Herkunftsbezeichnungen für den Weinanbau auf Mallorca. Sie umfasst die Ebene (Plà) und die Küstenlinie (Llevant) im Südosten der Insel.

von CHRISTIAN FARAGO und TORSTEN STIEGEMANN
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„Ich bin in Felanitx geboren und Wein war vom ersten Tag an ein wichtiger Teil in meinem Leben.“ ANTONI BENNASSAR, President des DOP Plà i Llevant und Professor für Biologie an der UIB-Universität de les Illes Baleares in Palma.

Antoni Bennassar, President des DOP Plà i Llevant und Professor für Biologie an der UIB-Universität de les Illes Baleares in Palma, begrüßt uns mit einem leicht gekühlten Callet in der Verbandszentrale in Felanitx – wir sollen ja schließlich wissen, worüber wir uns gleich unterhalten.
Es wurde ein Monolog, ein Vortrag in Perfektion daraus: Ein Unabhängiger, keiner der 14 Mitgliedswinzer des 1999 gegründeten Verbandes, äußerte sich da kundig, euphorisch und leidenschaftlich über den „Extrakt des Landes“.

„Die Geschichte des Weinbaus auf Mallorca ist alt,“ sagte der Professor. Diese Historie reicht bis ins Jahr 200 v. Chr. zurück. Seitdem bauen unzählige Generation Wein an und entwickeln ihn weiter, was sich auch durch die mittlerweile große Vielfalt an autochthonen und internationalen Rebsorten ausdrückt.
„Ich bin in Felanitx geboren und Wein war vom ersten Tag an ein wichtiger Teil in meinem Leben“, so Professor Benassar. Aber es hat sich viel verändert in den letzten 50 Jahren. Mit dem Einzug des Tourismus auf der Baleareninsel wurde aus dem „landschaftlichen Produkt für den Eigenbedarf“ ein Genussmittel, das die Insel repräsentiert. „In jedem Glas Wein steckt ein Stück unserer Geschichte und unserer Heimat. Zum Zeitpunkt der Lese duftet das ganze Dorf nach Wein,“ schwärmt der Wein-Biologe.

Durch den gesellschaftlichen Wandel von der reinen Landwirtschaft hin zu einer Dienstleistungs- und Tourismusgesellschaft änderten sich auch die Strukturen und Werte der produzierenden Betriebe. Das Attribut „Qualität“ gewann an Bedeutung.
Für den Wandel waren sehr stark die Winzer der heutigen Region Plà i Llevant, also Weingüter aus Manacor, Felanitx, Porreres, Petra und Algaida, verantwortlich. Sie entschieden Mitte der 1990er Jahre, eine Weinbauregion mit Herkunftsbezeichnung zu werden. Fünf Jahre später war es dann soweit und die DOP Plà i Llevant war geboren. Der Verband vertritt die Interessen der derzeit 14 Bodegas, die zusammen fast 500 Hektar bestellen, kontrolliert die Qualität der Weinerzeug­nisse und des gesamten Herstellungsprozesses und übernimmt die wichtige PR- und Marketingarbeit im europäischen Ausland.

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Lese des Jahrgangs 2021 – ein hervorragender Jahrgang auf Mallorca.

„Deutschland ist unser wichtigster Exportmarkt. 90 Prozent unserer Exportmenge geht nach Deutschland“, resümiert Professor Benassar. Beste Botschafter sind die deutschen Besucher der Insel, die hier die Weine kennen und lieben lernen und anschließend zu „Markenbotschaftern“ in der Heimat werden. Der Verband bestimmt die Rahmendaten für die Mitgliedschaft der einzelnen Weingüter. Voran die 18 „erlaubten“ Rebsorten. Dabei ist es Ziel, die Vielfalt des Weinlandes Mallorcas zu zeigen. Zum einen schätzt und fördert die DOP Plà i Llevant die Verarbeitung heimischer, sogenannter autochthoner Rebsorten wie Callet, Gorgollassa, Mantonegro, Fogoneu, Giro ros und Premsal blanc. Zugleich freut man sich aber auch über die „Geschmackserweiterung“ durch die über viele Jahre mittlerweile hinzugewonnenen nationalen und internationalen Rebsorten wie z.B. Chardonnay, Muskateller, Riesling, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Tempranillo, die allesamt nicht mehr aus der Weinproduktion der Balearen wegzudenken sind.

Aus Premsal und Giró entstehen Weißweine, die auf völlig einzigartige Art und Weise das Anbaugebiet widerspiegeln. Blass-gelbe Farbe mit grünlichem Schimmer, in der präsente Fruchtaromen, gepaart mit Kräutern des Mittelmeers, am Gaumen erfrischen mit moderater Säure. Internationale Trauben wie Chardonnay oder Muskat erweitern das mallorquinische Geschmackserlebnis um Weine mit ausdrucksstarke Nase, langanhaltendem Mundgefühl mit morgendlicher Frische und zupackender Säure.

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Alte Callet-Reben: Transporteur der Herkunft.

Die sensorische Reinheit der Rosés aus Plà i Llevant macht auch diese Weine so außergewöhnlich. Intensives Pink, leuchtend wie Himbeeren, ein Potpourri aus roten Früchten und eine gut eingebundene Säure, die an Zitrusfrüchte erinnert. Herausragend: Rosés aus Callet, die einen Glauben lassen, in eine heimische Orangen zu beißen – vom ersten bis zum letzten Schluck.
Der Stil der Rotweine ist sicherlich durch die Anpassung internationaler Rebsorten an die mallorquinischen Bedingungen geprägt, ergibt aber gerade durch Cuveetierung mit autoch­thonen Rebsorten Weine mit angenehmer balsamischer Anmutung, anschmiegsameren Tanninen, die schmackhaft, vollmundig und einzigartig sind. Alle zeigen in jungen Jahren ein fruchtig-frisches Bouquet, können aber im Keller fantastisch reifen.

Die Weingärten im Anbaugebiet Pla i Llevant liegen weniger als 100 Meter über dem Meeresspiegel. Die Meeresbrise – auf Mallorca Embat genannt – hat daher einen großen Einfluss auf das Mikroklima. Die Richtung des Embats kann sich je nach Temperaturschwankungen täglich ändern. Der Wind bläst in den Stunden mit maximalem Sonnenschein vom Meer zum Land – und in der Nacht kehrt sich die Windrichtung um.

„WIE DER EMBAT DEN WEINBAU
IN PLÁ I LLEVANT BEEINFLUSST?“
IM GRUNDE GENOMMEN SIND ES DREI FAKTOREN:

KÜHLUNG
Der Embat ist ein thermischer Wind, der vor allem in der wärmeren Jahreszeit auftritt. Es hat eine kühlende Wirkung auf die Reben in dem Anbaugebiet Pla i Llevant, wodurch die Reifung der Trauben begünstigt wird.

blankFEUCHTIGKEIT
Der Embat kommt vom Meer und ist daher feucht. Dieser Aspekt ist entscheidend für die Art des Anbaus, da die Reben der Luft ausgesetzt werden und die relative Luftfeuchtigkeit reduziert werden soll, um so das Auftreten von Pilzerkrankungen zu vermeiden. Deshalb ist in dieser Anbauregion der Grünschnitt so wichtig, dazu gehört auch die Effeuillage (Entlaubung).

SALZ
Embat versorgt die Trauben zudem mit viel Salz. Dieser Effekt ist bei Rotweinsorten stärker ausgeprägt, da sich bei der Maischung der Trauben die Salzkomponenten mit dem Most auflösen. Dieser Aspekt ist wichtig für die organoleptische Charakterisierung der Weine.

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DOP PLA i Levant: Weine mit enormen Lagerungspotenzial

All diese Eigenschaften führen zur Entstehung einzigartiger Weine mit besonderen Eigenschaften, die auf die Qualität der regionalen Winzer und Kellermeister zurückzuführen sind.
Ein weiterer Garant für die Qualität ist die Ertragsreduktion. Denn: „Wir erlauben unseren Winzern, bis zu 9.000 Kilogramm Trauben pro Hektar zu ernten. Aber die meistern Weinbauern überschreiten nicht einmal die 6.000 Kilo, um den einzelnen Reben ausreichende Mengen des so geringen Niederschlages zukommen zulassen.“ Die Pflanzdichte liegt je nach Boden, Rebsorte und Pflanzsystem zwischen 2500 und 5000 Reben pro Hektar.
Aber nicht nur der Weinbau hat sich auf Mallorca geändert, auch der Tourismus. Und auch hier sieht Weinexperte Bennassar Parallelen. „Auch die Entwicklung des Tourismus auf unserer Insel bewerte ich als positiv“. Der Weg weise auch hier in Richtung Qualität. Es bedürfe aber weiterer Erneuerungen, die die Einzigartigkeit und Vielseitigkeit herausstellen und nachhaltig sichern.

„Bei Mallorca denken viele Menschen an Sonne, Strand und wunderschöne Landschaften, aber Mallorca gerät – Gott sei Dank – auch immer mehr in den Fokus von Genießern, Gourmets und Foodies, die aufgrund fantastischer gastronomischer Angebote – von traditioneller, landestypischer bis hin zu moderner Sterne-Küche – unsere schöne Insel besuchen. Und dazu gehören ganz sicher auch unsere Produkte – Weine der DOC Plà i Llevant.

„Welches mein Lieblingswein ist?! Da bringen Sie mich jetzt aber in Verlegenheit! Das kann ich nicht beantworten. Es gibt so viele fantastische Weine. Und jeder einzelne ist einzigartig. Finden Sie Ihren eigenen Lieblingswein heraus,“ schließt der Professor.

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