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Meral Alma

Eine Künstlerin mitten im Zirkus des Lebens

Ihre großformatigen Gemälde sind begehrt, sie hängen in Kunstsammlungen und Banken-Foyers, in Firmenzentralen und in Privathäusern auch auf Sylt und Mallorca.

von DAGMAR HAAS-PILWAT

Es war schon immer so bei ihr: Wenn sie malt, steht die Welt um sie herum still. Als kleines Mädchen hat Meral Alma ständig Bilder gezeichnet und sie als Überraschung den Familienmitgliedern und Freunden in die Taschen gesteckt. Heute, mit 35, ist sie voller Schaffensdrang, turnt mit Farbeimern und Pinseln auf Gerüsten herum, um frei aus der Hand – ohne Vorab-Skizzen – meterhohe Leinwände zu füllen. Selbst die Corona-Pandemie kann sie nicht stoppen. „Es ist wie ein unbändiger Trieb“, sagt sie. „Ich male fast jeden Tag – oft bis spät in die Nacht. Es zieht mich in mein Atelier – zurück zu den Farben und den Leinwänden.“

Mit vollem Körpereinsatz und stehend auf einem Gerüst gestaltet die Künstlerin Meral Alma ihre riesig großen Gemälde. © privat

Es ist gerade einmal drei Jahre her, dass die junge Künstlerin ihr Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie als Meisterschülerin von Professor Siegfried Anzinger abgeschlossen hat. Schon damals waren ihre Gemälde bei Sammlern so gefragt, dass die in der Landeshauptstadt lebende gebürtige Mönchengladbacherin eine Warteliste führen musste. Seitdem hat sich dieses „Problem“ noch verschärft: Auch im entfernten Ausland ist man auf Meral Alma aufmerksam geworden. Wohlhabende Kunstliebhaber, die ihre Werke kaufen, nehmen mittlerweile Wartezeiten von bis zu drei Jahren in Kauf.

Ein Ausschnitt aus dem tonnen­schweren „Zirkus des Lebens – 4. Akt“. © privat

Almas Bildwelten, Collagen, Punkköpfe, Figuren und Porträts hängen in Kunstsammlungen, Privathäusern auch auf Sylt und Mallorca, in Banken-Foyers, Büros und Unternehmenszentralen. Ihre bislang größte und mehrere Hunderttausend Euro teure Arbeit machte im vergangenen Jahr bundesweit Furore: Zwei jeweils acht Meter breite und über drei Meter hohe Werke mit dem Titel „Zirkus des Lebens“ – vierter Akt“ sind an exponierter Stelle in Karlsruhe zu sehen, und zwar in den beiden jeweils zwölfgeschossigen Bürokomplexen der Firma 1&1 („Tor zur Stadt“). Jeder Bildteil wiegt rund 1000 Kilogramm und wurde aus dem Atelier in der Düsseldorfer Altstadt mit einem 18 Meter langen Tieflader an seinen Ausstellungsort befördert. Dort sind die Bilder auf Wunsch des neuen Besitzers samt Lichtinstallation dauerhaft inszeniert.

Kunst bedeutet Vielfalt für Meral Alma. Ihre Lust auf neue Wege bringt die Frau mit arabisch-türkischen Wurzeln immer wieder auf ungewöhnliche Ideen. „Kunst findet nicht nur im Museum und in Ausstellungen statt, sondern sollte ein täglicher Begleiter im Alltag, im öffentlichen Raum und auf der Straße sein; stets den Betrachter anregen, nachzudenken, eingefahrene Denkmuster herauszufordern oder einfach Momente der Freude wieder zu entdecken.“

Sie experimentiert mit Techniken und Materialien, Oberflächen und Farbschemata. So zeigt der „Zirkus des Lebens“ bei Tageslicht Hunderte Figuren, Tiere, Musiker, große und kleine tanzende Menschen. Seine weiteren Ebenen offenbart das Bild erst, wenn es von Licht mit bestimmten Wellenlängen angestrahlt wird: Es beginnt zu phosphoreszieren. Bei Schwarzlicht ändert sich das Motiv, wirkt wie ein buntes, von Sonnenlicht durchflutetes Kirchenfenster. „Tänzerinnen treten hervor, es sprühen Funken aus dem Bild“, sagt Alma. „Die Figuren, die Umgebung, die Geschichten, alles ist in Bewegung und im Wandel begriffen, nichts ist statisch, geometrisch, gerade. Das Leben, wie es ist – als ewige Metamorphose des Seins, in der kein Moment wie der andere ist.“

Der Punk hat seinen Platz auf Mallorca. Er wirkt im Dunklen – angestrahlt mit einer bestimmten Lichtfrequenz – so, als ob eine rötliche Glut unter der Oberfläche hindurch scheint © privat

Bei dem Punk, den ein Sammler für sein Haus auf Mallorca gekauft hat, hat die 35-Jährige mit Metallstiften, Quarz, Farben, Spezialpigmenten und eigenhändig konservierten Pflanzen gearbeitet. Mit einer bestimmten Lichtfrequenz im Dunkeln angestrahlt ist es, als würde eine rötliche Glut unter der Oberfläche hindurchscheinen. Meral Alma sprengt gerne Grenzen. Die Doktorandin, die auch einen Magister-Abschluss der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität hat, ist eine Grenzgängerin zwischen Wissenschaft und bildender Kunst. Seit einigen Wochen hängt im größten, der Professorin Selma Meyer (1881-1958) gewidmeten Hörsaal der Medizinischen Fakultät eine ihrer Malereien.

Farbenfroh ist das Acryl-Öl-Bild auf Leinwand, das bei einem Sammler in seinem Haus auf Sylt hängt. © N. Bergmann

Das Gemälde trägt den Titel „Königin“. Das Bild auf Glas im Format zwei mal 2,65 Meter zeigt eine Frau mit geschlossenen Augen und Krone. Die junge Künstlerin versteht ihr gestiftetes Bild als Würdigung einer Pionierin. Selma Meyer war 1922 als erste Frau im Fach Pädiatrie und als zweite Frau an einer deutschen Medizinischen Fakultät habilitiert. 1927 wurde sie an der Medizinischen Akademie Düsseldorf zur außerplanmäßigen Professorin für Kinderheilkunde ernannt. Selbst nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten hat die Jüdin in New York wieder von vorne als Ärztin angefangen. „Es war für mich eine sehr große Ehre, als ich gefragt wurde, ob ich eine Arbeit für den Selma Meyer Hörsaal zur Verfügung stellen könnte“, erklärt Meral Alma.

Die Universität wollte eigentlich zu einer Eröffnungs-Feier einladen, die aber Corona-bedingt abgesagt wurde. Meral Alma hofft indes, dass einige Projekte und Veranstaltungen spätestens in der zweiten Jahreshälfte wieder möglich sein werden. Sie empfindet es als großes Glück, dass sie in all den Monaten weiter arbeiten konnte. „Auch wenn ich bisher nicht mehr aus dem Atelier rausgekommen bin, reisen zumindest meine Bilder ins entfernte Ausland“, berichtet sie. „Vor kurzem habe ich ein Foto einer Arbeit von mir aus Singapur bekommen und zwei meiner Bilder sind direkt aus dem Atelier nach Boston geflogen. Da war ich schon ein bisschen neidisch.“

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