Die Yogamatte und das Meer sind meine Kraftorte

DIE SYLTER YOGALEHRERIN TINA MOLSEN BERICHTET VON IHREM UNTERRICHTSALLTAG IN ZEITEN VON CORONA UND SCHAUT POSITIV IN DIE ZUKUNFT.

von KATRIN LAMPRECHT

Die Couch zur Seite schieben, den Teppich aufrollen, die Yogamatte auspacken und den Anleitungen für Asanas ( = Körperstellungen) und Atemübungen über den Bildschirm folgen – so oder so ähnlich haben sich Schüler der Sylter Yogalehrerin Tina Molsen in den vergangenen Wochen ihre Yogastunden ins heimische Wohnzimmer geholt. Denn der Face-to-Face-Unterricht der studierten Gesundheitswissenschaftlerin musste aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen.

Tina Molsen

Normalerweise gibt die 43-Jährige, die seit 2010 auf der Insel lebt, neben diversen Einzelstunden vier Yogakurse pro Woche im Hotel Rungholt in Kampen sowie im Hotel Stadt Hamburg in Westerland. In Zeiten von Corona musste sie – wie viele andere – komplett umdenken: So hat sie insgesamt 21 verschiedene Kurse aufgenommen und ihren Schülern über die Online-Videoplattform Vimeo On-Demand zur Verfügung gestellt. „Es war für mich zunächst recht anspruchsvoll, mich in die Technik einzuarbeiten, aber es gab eine positive Resonanz. Gerade zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen wurden meine Angebote sehr gut angenommen“, sagt sie.

Thematische und kürzere Video-Kurse

© ISTS L. Jocukumsen

Im Laufe der Zeit hat Tina Molsen ihre Online-Kurse noch mehr an die Wünsche der Kunden angepasst: „Meine Schüler haben sich vermehrt kürzere, thematische Einheiten – z.B. für den Rücken oder die Hüfte – gewünscht. An diesen Stellen tauchen die typischen Homeoffice-Probleme auf“, weiß sie. „Im weiteren Verlauf ließ die Nachfrage jedoch merklich nach“, berichtet die Yogalehrerin. Zwar seien auch weiterhin Videos gekauft worden, die große Euphorie des Anfangs sei aber neben Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung zurückgegangen. „Zu Beginn hatte man das schöne Gefühl, auf diesem Weg den Kontakt zu den Schülern zu halten, aber so eine Online-Unterrichtsstunde ist schon etwas Anderes, als wenn die Person vor einem steht, man gezielt helfen kann und gemeinsam die Atmosphäre spürt. Ein Video ist so anonym, es transportiert so wenig“, bedauert Tina Molsen.

Auch sie musste als Mutter zweier Kinder, die nun zu Hause betreut werden mussten, ihren Alltag komplett neu planen: Für die Videoaufnahmen musste sie sich entsprechende Zeitfenster einrichten. Das hatte auch Einfluss auf ihre eigene Yoga-Praxis: „Während ich im Live-Unterricht weniger selbst aktiv bin und mehr meine Schüler anleite, habe ich in den Online-Kursen die Übungen alle selbst ausgeführt. Das war sehr anstrengend. Anstelle des kraftvolleren Trainings, das ich sonst in meiner Freizeit für mich persönlich ausübe, sind daher in den letzten Wochen eher ausruhende, meditative Yoga-Einheiten getreten, die ich zu meiner eigenen Entspannung brauchte“, erzählt die Sylterin.

„Yoga ist wie ein gut ausgestatteter Werkzeugkasten“

Strandyoga // FOTO © Sylt Marketing | MAREN SCHULTZ / Monica Gumm

„Die Yogamatte und das Meer sind meine Kraft-Orte“, sagt sie. Und dabei hat sie selbst früher viel getanzt, hat sogar eine Musicalausbildung absolviert und hat den Yoga-Sport erst so richtig für sich entdeckt, als sie unter starken Rückenbeschwerden litt. Heute weiß sie: „Yoga ist so vielseitig. Es gibt dabei so viele unterschiedliche Tools wie Pranayama, Meditation, Asana, Mudra, Mantra, u.v.m., die uns unterstützen können, das persönliche Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit zu stärken – mental, körperlich und emotional. Ich vergleiche Yoga gerne mit einem gut ausgestatteten Werkzeugkasten. Man muss nur wissen welches Werkzeug einem wann am besten dient“, sagt Tina Molsen. Und dabei lerne sie von jedem ihrer Schüler, sagt sie.

Umso mehr freut sie sich, dass sie nun endlich wieder direkten Kundenkontakt hat. Denn seit dem 18. Mai dürfen Fitness-und Yogastudios in Schleswig-Holstein ihren Betrieb wieder aufnehmen. „Viele Sylter Yogastudios unterrichten nach Online-Anmeldungen bereits wieder in kleinen Gruppen im Freien“, sagt Tina Molsen. Sie selbst beschränkt sich derzeit auf Einzelstunden und leitet ihre Schüler dabei unter Wahrung des Mindestabstands an. Dabei haben meine Sylter Schüler Vorrang, die mir in den vergangenen Wochen beigestanden haben“, sagt sie. Die regelmäßigen Kurse in den Hotels finden noch nicht wieder statt. „Dort gibt es strenge Auflagen. Externe Gäste haben noch keinen Zutritt“, weiß die Sylterin zu berichten.

Wie es in den nächsten Wochen für Tina Molsen weitergeht und welche Angebote Sylt-Urlauber nutzen können, bleibt abzuwarten. „Die Lage ist derzeit unwägbar. Man muss schauen, wie sich die Infektionszahlen nach den Lockerungen entwickeln und kann erst dann weitersehen“, sagt sie. Langfristig geplant sind zum Beispiel die Yoga-Wochen mit Tina Molsen im Hotel Budersand in Hörnum vom 13.-19. September und 01.-07. November 2020 mit zwei Privatstunden, einer Ying-Yoga-Stunde, einem Spaziergang am Meer mit Atemübungen, der Teilnahme an weiteren Yoga-Gruppen-Sessions und der Nutzung des Spa.budersand. Ob und unter welchen Bedingungen diese Yoga-Retreats stattfinden können, ist aufgrund der Corona-Pandemie aktuell noch nicht abzusehen.

„Yoga uns Sylt bringen schneller ins Lot“

Grundsätzlich gilt jedoch: Egal, ob Yoga-Neuling oder absoluter Profi – auf Sylt gibt es viele Plätze und auch die passenden Lehrer für jeden Yogi. Von der idyllischen Sonnenaufgangsmeditation am Wattenmeer bis zur Yoga-Session am Strand, auf dem SUP oder im weichen Sand, gibt es hier viele Möglichkeiten, auf Abstand seine innere Mitte zu finden. Yoga und Sylt, das ist also immer eine gute Kombi? „Yoga und Sylt bringen schneller ins Lot“, glaubt Tina Molsen. „Die wunderschönen Naturlandschaften, das Meer, die Dünen, der Wind und dazu viele Sonnenstunden – das hat etwas Magisch-Anziehendes. Das Wellenrauschen ist wie Ein- und Ausatmen. Es entspannt total!“

Großstadtfeeling auf dem Land

Und noch etwas Anderes hat Tina Molsen in den vergangenen Wochen an ihrer Insel besonders zu schätzen gelernt: „Sylt ist wie ein Dorf. Man kennt sich und man hält sehr fest zusammen. Die gegenseitige Unterstützung war hier in der Corona-Zeit sehr groß“, erzählt sie. „Und jetzt kommen auch wieder viele spannende Menschen auf die Insel. Da hat man quasi Großstadtfeeling auf dem Land. Ich freu mich drauf!“

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Yogalehrerin Carolin Wesche bietet donnerstags im Rahmen des ISTS-Sportprogramms Strandyoga an. Selbstverständlich gelten in diesem Jahr Mindestabstand und eine maximale Teilnehmerzahl. © Carolin Wesche

DER INSEL SYLT TOURISMUS-SERVICE BIETET IM RAHMEN SEINES SPORTPROGRAMMS STRANDGYMNASTIK, STRANDYOGA UND STRAND PILATES AN.

Yoga unter freiem Himmel gehört zu den festen Angeboten, die über diesen Sommer das Sylter Ferienprogramm ausmachen.
Beispiele zum Anfang Juli:

• Morgenyoga mit Maren Schulz an der Haupttreppe in Wenningstedt am 1., 3. und 6. Juli jeweils ab 10 Uhr.
• Yoga-Sunrise mit Susanne Chinnow am 2., 7. und 9. Juli ab 10 Uhr
• Ebenfalls an der Wenningstedter Haupttreppe und Achtsamkeitsübungen mit Susanne Chinnow an gleicher Stelle am 8. Juli ab 8.30 Uhr.

Mehr Infos über Yoga-Angebote, -Studios und -Lehrer finden Sie unter www.sylt.de und unter dem Stichwort „Sportangebote“ und der Eingabe des gesuchten Zeitraums hier.