Das Magazin für Sylt und Mallorca

Magie der Unikate

Sylter Kunsthandwerker

Sie stellen Unikate her, die ihre Besitzer oft ein Leben lang begleiten: Kunsthandwerker. Mit Entwicklung des Tourismus auf Sylt ließen sie sich zunehmend vor allem in den Ostdörfern Keitum und Morsum nieder. MyiLANDS hat einigen Kunsthandwerkern über die Schulter geschaut.

Kunsthandwerk – dieser Begriff steht für eine faszinierende Symbiose. Ohne das Handwerk zu beherrschen, kann kein Kunstwerk entstehen, ebenso wie die künstlerische Begabung unabdingbar ist. So unterschiedlich die verschiedenen Disziplinen sind, haben Kunsthandwerker doch eines gemeinsam: Ganz gleich mit welchem Werkstoff sie arbeiten, ob, Glas, Silber, Stein oder Ton – unter ihren Händen entstehen einzigartige Schmuckstücke, aber auch Gebrauchsgegenstände, die der Wegwerfgesellschaft trotzen und die industriell hergestellter Massenware mit Charakter Paroli bieten. Unikate, die einen besonderen Platz im Leben ihrer Besitzer einnehmen, weil ihnen ein besonderer Zauber inne wohnt.

ANTJE OTTO
Feuer und Flamme für Glas

Mit konzentriertem Blick hinter der dunklen Schutzbrille hält Antje Otto ein Stück Glas in die zischende, 3000 Grad heiße Flamme. Später werden daraus zwei Sekt-Kelche, deren Struktur an die weichen Linien im Sand des Wattenmeeres erinnert. Antje Otto wurde die Leidenschaft für die Arbeit mit Glas quasi in die Wiege gelegt: „Mein Vater ist Glasapparatebläser, mein Großvater Glasmalerlehrer. Wir haben eine Glaserei in Malente“, erzählt die sympathische Kunsthandwerkerin. Nach Keitum auf Sylt kommt sie das erste Mal 2004 – um ein Praktikum bei dem damaligen Glasbläser Jürgen Westphal zu absolvieren. „Bis dahin hatte ich noch nie an der Flamme gearbeitet“, erzählt sie schmunzelnd. Aus dem Praktikum werden fünf Jahre. Danach verlässt Antje Otto Sylt wieder, um sich in Malente selbstständig zu machen. Vor vier Jahren kehrt sie nach Sylt zurück und übernimmt die Glasbläser-Werkstatt von Jürgen Westphal direkt am Keitumer Bahnhof. In ihren Arbeiten verschmelzen verschiedene Techniken: Glasbläserei und –verschmelzung, Glasmalerei, Siebdrucktechniken. Gesichter und Reliefschalen, die sie mit einem aufwendigen Sandstrahlverfahren herstellt, sind Antje Ottos Handschrift. Aber auch Gläser mit besonderer Struktur und sanft geschwungenen Formen. Die Sylter Natur inspiriert Antje Otto. „Wind, Spuren im Watt, Möwen, das ist ja allgegenwärtig. Das spiegelt sich in meiner Arbeit wieder.“

Glaskunst Antje Otto
Im Bahnhof
25980 Keitum
www.glaskunst-antjeotto.de

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TRADITIONSHANDWERK TÖPFERN

Das Töpfern hat Tradition auf Sylt. 1951 eröffneten Ulle Weber und Janne Reckert mit dem „Witthüs“ in Wenningstedt eine Töpferei sowie die erste Teestube auf der Insel. 1962 wurde das Geschäft aufgeteilt: Die Töpferei zog nach Keitum, wo Ulle Webers Tochter Anka Weber sie in einer Werkstattgemeinschaft mit Janne Reckerts Sohn weiterführte, die Teestube blieb in Wenningstedt. Die Keramikarbeiten waren damals sehr beliebt: „Wir hätten die Sachen heiß aus dem Ofen verkaufen können“, schmunzelt Anka Weber. So gab es mit der Töpferei Lehr gleich am Keitumer Ortseingang noch eine zweite Werkstatt in Keitum. Die Werkstattgemeinschaft von Anka Weber bestand bis zum Jahr 1990 – dann änderte sie ihr Konzept und präsentiert bis heute eine vielfältige Auswahl verschiedener Kunsthandwerker in ihrer Galerie. In den 1970-er Jahren machten sich auch die Töpferinnen Regine Skoluda und Till Bruttel selbstständig, die zuvor im Wenningstedter Witthüs zusammen gearbeitet hatten. Heute ist nur noch Till Bruttel als Töpferin aktiv – mit stolzen 81 Jahren.

TILL BRUTTEL
Töpfern für den Alltag

„Es ist manchmal schon eine Überraschung, was aus dem Ofen kommt“, beschreibt Till Bruttel die angespannte Freude, wenn sie ihre Tontöpfe aus dem Brennofen holt. Die ist noch immer da – auch nach nunmehr 45 Jahren Arbeit mit Ton. Nach Sylt kam die studierte Ethnologin zu Beginn der 1950er Jahre und arbeitete zunächst in der Töpferei im Witthüs in Wenningstedt. Dort wurde nicht nur getöpfert: „Wir haben zusammen dort gelebt, gefeiert, diskutiert. Das war eine andere Lebensform“, erzählt sie. Arbeiten wie anno dazumal Durch eine niedrige, blumenumrankte Holztür betritt man die Werkstatt in einem verwunschenen Reetdachhaus. Dort scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, von Alltagshektik keine Spur. In dieser ruhigen Atmosphäre gedeihen die unverwechselbaren Arbeiten der Töpferin: gepunktete Schalen, einige mit Deckel, Tassen, bauchige Teekannen, Teller. Fast die gesamte Farbe wird nach der Unterglasur und dem ersten Brand mit dem Pinsel aufgemalt und getupft – eine aufwändige Arbeit.
„Bis ein Stück fertig ist nehmen wir es etwa 15, 20 mal in die Hand.“ Ihre Töpfereien sind auch aus dem Land der aufgehenden Sonne inspiriert: „Die Japaner haben die beste Art, mit Ton umzugehen. Wir bringen diese Einflüsse dann in Einklang mit unserer Lasur, Farben und Oberflächen. Das ist oft ein langer Prozess“, erzählt Till Bruttel. So schön anzuschauen das Geschirr ist: Für die Vitrine ist es nicht gemacht. „Ich möchte, dass alles benutzt wird, im Alltag Freude macht und Bestand hat.“

Till Bruttel
Gaat 6
25980 Keitum

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EDDA & JONAS RASPÉ
Familientradition Goldschmiede

Es liegt Edda Raspé in den Genen: Schon ihr Vater war Goldschmied, genau wie ihr Großvater. Sohn Jonas folgte der Familientradition: Er ist ebenfalls Goldschmied und bildet zusammen mit seiner Mutter in der Werkstatt unter dem Dach eines idyllischen Reetdachhauses in Morsum ein kongeniales Team. Das Zusammenspiel von Mutter und Sohn entfaltete sich behutsam. „Als Jonas mit seiner Frau nach Sylt zurückkehrte, habe ich mich ein Jahr lang zurückgezogen. Ich wollte, dass er sich erst mal alleine zurechtfindet“, erzählt Edda Raspé. Deren Arbeiten sind Ende der 1960er Jahre innovativ: Bereits in ihrer Ausbildung entwarf sie den so genannten Doppelring. Er ist zwar in einem Stück gearbeitet, wird allerdings an zwei Fingern getragen. „Schmuck muss ganz selbstverständlich zu einem gehören, er darf beim Tragen nicht stören“, sagt Edda Raspé. Sie mag die leisen Töne: zarte, dezente Schmuckstücke, die Geschichten erzählen.

FUNDSTÜCKE VOM STRAND

Edda Raspé arbeitet mit Steinen, die sie am Strand findet. Vor allem mit Granit und Feuerstein – die sind am härtesten. Mit Sohn Jonas hat Edda Raspé eine gute Arbeitsteilung gefunden. „Meine Mutter sammelt die Steine und zieht sich dann tagelang für das Schleifen zurück. Ich verarbeite die Steine dann weiter“, sagt Jonas Raspé. Auf Hochglanz poliert glänzen die Steine fast wie Edelsteine. Ihre feine Marmorierung macht jedes Schmuckstück einzigartig. Die beiden Goldschmiede kombinieren die Fundstücke vom Strand gerne mit Edelsteinen. So sehr sich Edda und Jonas Raspé mit großem Respekt für die Arbeit des anderen ergänzen, der Sohn den besonderen Stil seiner Mutter fortführt, hat Jonas Raspé mit eher großen Schmuckstücken auch seine eigene Nische gefunden.

Edda & Jonas Raspé
Terpstich 15
25980 Morsum
www.edda-raspe.de

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momo | Schmuckwerkstatt und Galerie

„Man arbeitet hier anders als in Berlin, weil die Kunden im Urlaub entspannter sind“, beschreibt Astrid Jahnke das Arbeiten auf Sylt. Die gebürtige Berlinerin ist eigentlich Rechtsanwältin. Mit Schmuck beschäftigt sich die Wahl-Insulanerin schon seit 15 Jahren. „Ich habe mir nach Kursen bei Goldschmieden in Frankfurt und Spanien selbst beigebracht, was ich für diesen Beruf brauche.“ Zunächst verkaufte Astrid Jahnke ihren Schmuck in dem Modegeschäft „Momo“ ihrer Mutter. Dann wagt sie mit ihrer Schmuckwerkstatt den Sprung ins eigene Geschäft. In einem weißen Reetdachhaus am Keitumer Orteingang, arbeitet Astrid Jahnke vor allem mit ihrem Lieblingsmaterial Silber.

FEMININ UND FARBENFROH

Mit ihren Silberarbeiten hebt sich Astrid Jahnke von anderen Goldschmieden im Ort ab. „Ich mag Silber, es ist frischer, sportlicher als Gold und man kann es zu jeder Gelegenheit tragen.“ Ihre Arbeiten sind feminin und ein Spiegel der eindrucksvollen Strukturen und Farben der Insel: Ketten in Blätter- und Blütenformen, raue Oberflächen und Ringe mit Aquamarinen, Turmalinen, Mondsteinen, Labradoriten und Opalen. So entstehen Unikate, die sich von der Masse abheben und durch ein außergewöhnliches Design auszeichnen.

momo | Schmuckwerkstatt und Galerie
Gurtstig 12
25980 Sylt/Keitum
www.momo-sylt.de


WEITERE KUNSTHANDWERKER-ADRESSEN AUF SYLT

MANUFAKTUR LEDERWERKSTATT
Behrens & Ostermann M.-T.-Buchholz
Stich 9
25996 Braderup
www.manufaktur-sylt.de
Hier entstehen Kleidungsstücke wie Jacken, Westen, Hosen und Sandalen und Accessoires. Verarbeitet wird naturgegerbtes Leder aus Deutschland und Nordschweden.

WITTHÜS KEITUM
Am Kliff 5a
25980 Keitum
www.witthues-keitum.de
Anka Weber präsentiert in ihrem Atelier am Keitumer Watt eine vielfältige Auswahl an Arbeiten von Kunsthandwerkern und Schmuckdesignern.

GOLDSCHMIEDIN BIRTE WIEDA
Gurtstig 26
25980 Keitum
www.goldschmiede-wieda.de
Besonderheit: die Wunschringe. Man notiert seinen Wunsch auf einer kleinen Pergamentrolle – Birte Wieda verpackt ihn in einer Messingdose, die in einen Silberring eingearbeitet ist.

Bild ganz oben: Edda & Jonas Raspé an der Werkbank
Alle Fotos @ Steinhardt

 

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