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Donnerstag, 06. Oktober 2022
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Mariposa

EIN KRIMI, DER ZUM ZEUGEN EINER VERGANGENEN ZEIT AUF MALLORCA WURDE

von PETER LAMPRECHT

Dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. Eine Finca brennt ab, ein Transport-Laster fliegt in die Luft. Die Sehnsuchtsinsel Mallorca wird für den Polizeikommissar Javier Ramos, für Mallorcas Medien und für alle, die von der wichtigsten Branche Tourismus leben, zu einer Albtrauminsel.

© Pixabay

Das ist der Plot für den derzeit jüngsten Mallorca-Krimi. „Mariposa“ lautet der Titel, erschienen ist das Werk des Multi-Schreibtalents Roland Winterstein am 1. März im Schardt-Verlag Oldenburg. Gut zwei Wochen also, bevor Mallorca vor der Außenwelt verriegelt wurde, seine Einwohner mit einer der härtesten Ausgangssperren in Europa zu einem dauerhaften Stubenarrest verdammt waren.

Winterstein, auch mit weiteren Büchern, Comics, Theaterstücken, Zeichentrick- und Spielfilmen bekannt geworden, blieb in seinem Haus auf der Insel, schrieb weiterhin wöchentlich seine Kolumne für die Mallorca-Zeitung – und erlebte hautnah mit, wie sich die Vor-Corona-Stimmung, die er in seinem Krimi beschreibt, massiv gewandelt hat. So wird sein Buch ungewollt zum zeitgeschichtlichen Dokument. Denn ob der raue Zynismus eines Kommissars wie Ramos als Netflix-tauglicher Surfer-Bulle in Flip-Flops, ob die latente Skepsis der Inselbewohner gegenüber den Touristen auch nach der Corona-Zeit wieder die Oberhand gewinnt – das alles muss erst abgewartet werden.

„Mariposa“ ist der letzte Mallorca-Krimi vor Corona – und schon deshalb lesenswert. Fast seherisch wirkt da die fettgedruckte Zeile über der Umschlag-Rückseite, ein Zitat aus dem Buch: „Die großartigsten Sommer sind diejenigen, die wir nie mehr vergessen oder die uns für immer verändern …“

Da schlägt Roland Winterstein eine Brücke hinüber in unsere heutige Zeit. Wirklich „alles andere als ein typischer Urlaubskrimi.“

Autor Winterstein, mit der Familie auch in Hamburg daheim, hat die Zeit des Lockdown mit seinen mallorquinischen Nachbarn verbracht. Wöchentlich hat er seine Kolumne mit dem Blick von der Terrasse auf die menschenleere Sehnsuchtsinsel veröffentlicht, und der Autor ebenso wie unsere Medienpartner von der Mallorca-Zeitung haben uns gestattet, eine dieser Kolumnen nachzudrucken – lesen Sie selbst, was sicherlich in absehbarer Zeit Teil eines großen Stimmungs-Mosaiks aus Corona-Tagen werden wird. Hoffentlich eines, das keine Fortsetzung findet.

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EIN HAUS AUF MALLORCA

VERSCHOBENE TRÄUME

Menschen, die auf Inseln leben, mixen ihre Gefühlslagen, diesen von Wasser umgebenen Wohnorten geschuldet, zwischen sich beengt und geschützt fühlen, seit jeher kräftig durch. Das macht die aktuelle Schieflage durch das Coronavirus nicht viel besser, aber erträglicher. Vieles fällt nun hinten runter, und manchmal fällt es einem sogar auf die Füße. Jetzt, wo praktisch jeder Termin verschoben wird. Besuche, der nächste Ausflug, Urlaub, das alte Leben – genauer genommen so gut wie alles. Und hinter allem steht ein dickes Fragezeichen. Bekommen wir uns nun endlich allein beschäftigt?

Viele stammeln nur noch zwei Lieblingswörter: beschwerdefrei (weiterleben) und aufhören. Aufhören bedeutet (und dazu benötigt es keiner Reifeprüfung): Es hört auf. Und das wird es vermutlich nicht so schnell. Es wird hier und da ein Stückchen Rettung vorbeischauen – sei es der durchnässte Fetzen vor dem Mund oder das Minimum Normalität, das peu à peu in Aussicht gestellt wird.

Manchmal, aber nur manchmal passiert auch ein kleines Stückchen Magie. Die Nachbarn aus der protzigen Finca nebenan können tatsächlich reden und sind obendrein noch nett. Wie schockierend. Das eigene Hamsterrad sieht von außen beträchtlich erholsamer aus, auch wenn man im eigenen Wust, der tagtäglich anwächst scheinbar kein Land mehr gewinnt. Die neuen Tagesabläufe und Regeln werfen den alltäglichen Trott über den Haufen. Und dazu kommen diese vielen Fragen. Warum können Kinder so anstrengend sein, wenn man sie mehr sieht als zwei Stunden am Tag? Wieso benötigt man im überbordenden Leben plötzlich so ungeheuer wenig? Warum besitzt diese paradiesische Insel plötzlich die Ausstrahlung einer kalten Herdplatte? Überall schleicht leise Angst und Schrecken durch die Ritzen, wie im Jurassic Park. Nur ist bei den bösen Echsen in den Filmen das Wetter immer schlechter.

Ach ja, das Wetter, darüber redet auch keiner mehr, und das ist die tatsächliche Krise! Andererseits, endlich sind mal alle Kulissen des brüchigen Glücks und der vagen Selbsttäuschung verschoben. Achtung, hier kommt die freie Sicht aufs Meer. Spiegelbild de luxe. Kein Zuckerschlecken ohne Rückendeckung des Terminkalenders. Wie jeden Tag sehe ich runter auf den Strand meiner Lieblingsinsel und denke: Na, wo bleiben denn all die anderen? Morgen gucke ich wieder! Man wird doch noch mal leise träumen dürfen …


Gewinnen Sie diesen Balearen-Krimi!!

Roland Winterstein ist ein (fast) nimmermüder Kreativer. Kürzlich, am 30. Mai, sah man im ZDF „Bibi & Tina – Das große Wettreiten“. Idee und Buch zu diesem Beitrag im Kinderprogramm stammen von Winterstein, auch Kinderbücher sind neben Krimis und anderen Literaturprodukten mit seinem Autorennamen geschmückt. Er ist Drehbuch- ebenso wie Kolumnenautor. Sein Mallorca-Krimi, erschienen im Schardt-Verlag, Oldenburg, heißt „Mariposa“. Damit ist auch schon beschrieben, worum es diesmal in unserer Buchverlosung geht:

Schreiben Sie uns, was „Mariposa“ in der deutschen Übersetzung bedeutet!

Schicken Sie des Rätsels Lösung samt Ihren Kontaktdaten mit einer E-Mail bis zum 6. Juli an redaktion@myilands.de – und schon haben Sie die Chance zu gewinnen. Ausgelost werden unter Ausschluss des Rechtsweges drei Exemplare des Mallorca-Krimis – noch rechtzeitig also vor dem sicherlich ungewöhnlichsten Sommer der vergangenen Jahrzehnte!

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