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Montag, 08. August 2022
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STERNEKOCH UND INSELFAN Johannes King Abschied und Neustart auf Sylt

MyiLands Gastro:
MARKEN, DIE FÜR DIE INSEL STEHEN | TEIL 5

STERNEKOCH UND INSELFAN
Johannes King
Abschied und Neustart auf Sylt

Ein Mann nimmt Abschied – und bleibt dennoch mit seinem Namen und seinen Produkten weiterhin eine prägende Sylt-Marke. Dies Kunststück vollbringt zum Jahresende JOHANNES KING, einer der meistdekorierten Sterneköche der Republik, seit dem Jahr 2000 Gastgeber im HOTEL SÖL’RING HOF IN RANTUM. Diese Kommandobrücke verlässt King zum Jahreswechsel, nachdem er schon Mitte des Jahres seinem bislang gleichberechtigten KÜCHENCHEF JAN-PHILIPP BERNER die Verantwortung am Herd allein überlassen hatte. Berner wird nun auch die Aufgaben des Patron übernehmen.

von PETER LAMPRECHT

Und Johannes King? Der freundliche Schwarzwälder, mit acht Geschwistern auf einem Bauernhof aufgewachsen, bleibt nicht nur auf der Insel, die 21 Jahre seines prallen Berufslebens geprägt hat. Er plant, sich mit neuem Schwung auf den kleinen, feinen Genussshop zu konzentrieren, den er 2013 in Keitum eröffnet hat und der selbst die dürren Monate der Pandemie überdauert hat.

Johannes King [RECHTS] und Jan-Philipp Berner [LINKS] am Herd im Söl´ring Hof! © YDO SOL
Die Gäste und Kunden des Shops dürfen sich also 2022 auf neue Ideen gefasst machen, die King aus der Eigenproduktion von Gewürzen und dem kreativen Umgang mit regionalen Produkten erschafft. Längst haben Gourmets deutschlandweit Gefallen gefunden an dem, was King beispielsweise aus Sylter Rosen zaubert, und sein Versandangebot an erstklassigen kulinarischen Besonderheiten samt passenden begleitenden Getränken gehört zu den Attraktionen quer durch die Republik.

Aus dem Abschied 2021 wird umgehend ein Neustart 2022. Eine eindrucksvolle Karriere in etlichen Jahresschritten geht also weiter. Sie begann Ende der 1970er Jahre mit der Ausbildung im Ringhotel „Johanniterbad“ in Rottweil. 1983 folgte ein Platz am Herd im Kölner Restaurant Franz Keller. 1984 wechselte er in die Konditorei Oberlaa in Wien, von dort ging es 1985 zu Henry Levy ins Berliner Maitre. 1986 gab King seine Visitenkarte im Berliner „Interconti“ ab, ehe er 1987 zur Weiterbildung quer durch etliche erste Küchen in Frankreich wechselte. 1988 machte er schließlich im Burgund Station, im Hotel de la Poste, Saulieu.

Mit diesen Grunderfahrungen von der Basis der Sterneküchen ausgestattet, ging er 1989 zurück nach Berlin. Für zehn Jahre wurde dort das Restaurant Grand Slam seine berufliche Heimat. Hier erkochte er sich 1993 den ersten Michelinstern, wurde 1997 vom Gault-Millau zum „Aufsteiger des Jahres“ gekürt und 1998 in der Hauptstadt als Berliner Meisterkoch gefeiert. Im gleichen Jahr wechselte er zur Dorint-Hotelgruppe – King wurde als Berater zum „Konzernküchendirektor“ der damals stark wachsenden Aktiengesellschaft ernannt. Im Jahr 2000 schließlich wurde er Gastgeber im Söl’ring Hof, wo ihn erneut erst ein und 2004 der zweite Michelin-Stern erreichte. 2013, im Jahr der Gründung seines Genuss-Shops, ernannte ihn das Fachblatt „Der Feinschmecker“ zum Koch des Jahres, ehe 2019 die gleichnamige Auszeichnung vom Gault-Millau ausgesprochen wurde – diesmal allerdings gemeinsam mit seinem Küchenpartner Jan-Philipp Berner.

Johannes King zupft frische Kräuter im eigenen Garten © NICOLE RATHMANN

Nun also der nächste Wechsel, wieder einmal einer am gleichen Ort. Lesen Sie in unserem Exklusivinterview, was der Sylt-begeisterte Badener Johannes King über die Insel, sein Leben und seine Pläne berichtet.

„ALLES, WAS WIR MACHEN, WOLLEN WIR NOCH BESSER MACHEN“

Johannes King im Exklusiv-Interview über seine prägenden Jahre im Hotel Söl’ring Hof, über die Magie der Sylter Natur und über seine neuen Pläne mit Rosenprodukten von Sylt und dem eigenen Gourmetshop samt Onlinehandel für Genießer.

MYILANDS: Seit über 20 Jahren steht Ihr Name für erstklassige Gastlichkeit und für Sterneküche der Sonderklasse. Sie sind im Süden geboren und aufgewachsen – was hält Sie fest auf der herben nördlichen Schönheit Sylt?
JOHANNES KING: Es ist vor allem diese atemberaubende Natur, die mich immer noch fasziniert. Ihre Vielseitigkeit, die sich ja auf verschiedene Weise zeigt, Auf der einen Seite das ruhige Watt, auf der anderen das raue Kliff. Dann natürlich die beeindruckenden Dünen und dazwischen die Heide, die ja in jeder Jahreszeit anders aussieht. Mal blühend, mal morbide dunkel. Es ist einfach diese unglaub­liche farbenfrohe Natur und das besondere Lichtspiel am Meer, das ich nach all den Jahren immer noch sehr liebe.

Was macht diese Insel eigentlich zu einem offensichtlich besonders attraktiven Ziel für ambitionierte Kochkünstler?
Die Insel zieht jedes Jahr viele Besucher an. Darunter natürlich auch eine zahlungskräftige Klientel, die Genuss sucht und dafür auch bereit ist, zu investieren. Hier treffen sich viele interessierte Foodies und Gourmets, die eben nicht nur die Natur der Insel schätzen, sondern auch die vielen verschiedenen Möglichkeiten, essen zu gehen – von der einfachen aber guten Strandbude bis zum 2 Sterne Restaurant. Jedes Konzept hat seine Fans.

Diese Rosenaufstriche sind wirklich einzigartig.

Am Jahresende verlassen Sie die Kommandobrücke des Hotels. Welche bleibenden Erinnerungen nehmen Sie mit – Erinnerungen an besondere Ereignisse, bestimmt auch an Begegnungen mit besonderen Menschen?
In erster Linie sind es die Erinnerungen an Menschen, die mich inspiriert oder beeindruckt haben. An Menschen, mit denen ich gemeinsam gearbeitet habe, die mit mir gegangen sind und maßgeblich die Geschichte des Söl’ring Hof und damit auch meine eigene geprägt haben. Es sind Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse mit Gästen bei einer unserer Exkursionen oder bei meinen Kochkursen, Gespräche im Hotel oder am Abend im Restaurant. Ich habe viel gelernt über den Umgang mit Menschen, über Loyalität und das Gefühl einer Mannschaft. Und natürlich sind da auch die Erfahrungen als Unternehmer, zu denen Erfolge genauso gehören wie Momente des Scheiterns oder Umwege, die man gehen muss. Eine so lange Reise prägt sich tief ein und ohne die vielen wichtigen Menschen um mich wäre es kein so schöner erfolgreicher Weg geworden.

Ihr zweites Standbein, der Gourmetshop samt Restaurant und Onlinehandel, soll nun Priorität bekommen. Was dürfen Sylt-Gäste und Sylt-Fans in der kommenden Saison dort von Johannes King erwarten?
Sie dürfen vor allem auch weiterhin meine Energie und meine Lust an Genuss und höchster Qualität erwarten. 2022 steht für mich dabei erstmal im Zeichen der Konsolidierung. Alles, was wir machen, wollen wir einfach noch ein bisschen besser machen. Auf den Raum, alles noch einmal anzufassen und weiter zu optimieren, freue ich mich sehr. Gerade die Produktentwicklung nimmt viel Zeit in Anspruch und es ist einfach schön, dass ich mich nun ganz und gar darauf konzentrieren und mal eine Weile am Stück daran arbeiten kann, ohne immer abgelenkt oder herausgerissen zu sein.

Johannes King [RECHTS] und Jan-Philipp Berner [LINKS] am Herd im Söl´ring Hof! © YDO SOL
Und welche Angebote aus dem reichhaltigen Versandprogramm haben sich inzwischen zu besonderen Hits, also zu Sylt-Botschaftern entwickelt?
Natürlich sind all unsere Rosenprodukte ein echter Hit. Sie verkörpern Sylt wie kaum ein anderes Produkt, denn wir stellen sie aus der Sylter Heckenrose her, z.B, Rosenmarmelade, Rosengin, Rosenessig oder Rosensalz. Die üppigen Rosensträucher wachsen um den Söl’ring Hof und an vielen anderen Orten der Insel und die Blüten werden von Hand geerntet und in unserer Manufaktur verarbeitet. Unser grandioser Eierlikör mit dem schönen Namen „Liebelei“ gehört auch zu den absoluten Lieblingsprodukten in unserem Shop. Ebenso wie die Nussbutter, unsere Öle oder Gewürze. Wir stecken viel Liebe und Zeit in die Entwicklung und Fertigung und freuen uns natürlich sehr, wenn unsere Kunden unserer Produkte so wertschätzen und annehmen.

Zeigt das, wie weit sich die Deutschen zu bewussteren Genießern vorgearbeitet haben?
Ich nehme wahr, dass es insgesamt ein Umdenken gibt. Das Thema Ernährung und Genuss steht mehr denn je im Fokus. Die Interesse ist höher und das Bewusstsein für Qualität, Nachhaltigkeit und faire Herstellungsmethoden ist auch in der gesellschaftlichen Breite viel größer geworden. Glücklicherweise haben wir auf Sylt eine tolle und wertschätzende, interessierte Klientel – quer durch alle Altersschichten, die mit viel Freude und Neugier genießt und Qualität, Kreativität und gute Dienstleistung zu schätzen weiß. Ich wünsche mir sehr, dass hier noch viel mehr passiert, damit die Menschen noch mehr verstehen, was sie konsumieren und woher es kommt.

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